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ür Frankreichs frühchristliche Kunst sowohl, wie iür seine ganze^ spätere Entwicklung ist es von höchster Bedeutung gewesen, dass auf
seinem Boden gewaltige Reste altklassischer Kunst sich befanden.
Die Frage, welcher Zeit diese angehören, ist noch nicht vollkommen gelöst:Es dürfte manche jetzt gültige Altersbestimmung ins Schwanken kommen,wenn man sich von dem Gedanken lostrennen wollte, dass Rom die weit-beherrschende Lehrmeisterin des Bauwesens seiner Zeit war. Es giebt nichtwenig Zeugnisse dafür, dass das hellenisierte Südfrankreich noch zur Zeit dc^Augustus als Bildungsstätte über Rom stand, dass die Reimer nach Süd-frankreich wie nach Athen gingen, um sich der verfeinerten Sitte zu erfreuen,wahrend Rom den Genuss in derberen Formen bot. Theaterbauten dürfteSüdfrankreich früher künstlerisch durchgeführt haben als Rom, Tempel inklassischer Feinheit geschaffen haben zu einer Zeit, in der man nach Romnur durch Raub aus Griechenland das Schöne einführte.
Tafel 51. Vienne, Tempel des Augustus und der Livia.
Die Lokalgeschichte giebt wenig Aufschlüsse über die Entstehung diesesBauwerkes. Das alte Yienna Allobrogum war wahrend der Kaiserzeit eineangesehene Stadt mit eigener Verwaltung und berühmten Schulen. SeitPostumus 257 zum Kaiser ausgerufen wurde, nahm sie sogar kurze Zeitdie Stelle der Reichshauptstadt ein.
Nach den Dübellöchern hat man die Inschrift auf dem Fries der Giebel-seite gelesen: ,,Divo Augusto Optimo Maximo et divae Augustae". Zumeisthielt man den Tempel für ein Werk des endenden 2. Jahrhunderts. Es istaber keineswegs ausgeschlossen, dass der Bau ganz erheblich früher entstand.Im 5. Jahrhundert wurde er zur Kirche umgebaut; später wurden zwischendie Säulen Mauern gestellt, deren romanische und gotische Fenster auf ver-schiedene Zeiten hinwiesen; 1822 wurde er Museum und Bibliothek. Seitdemist der Bau von Constant Dufeux und nach diesem von Daumet erneuertworden, leider nicht immer mit glücklicher Hand. Die Cella ist fast ganz neu.Bei diesen Gelegenheiten wurde auch der Unterbau wieder freigelegt, der vorherganz unter Anschüttungen versteckt war.
Tafel 76. Vienne, L'Aiguille.
Ein Gegenstück wesentlich späterer Zeit ist die „Nadel" (rAiguille), einetwa 4 m breites vierseitiges Triumpfthor mit vorgekröpften Ecksäulen, daseine hohe, schlanke Pyramide trägt, wohl das Denkmal eines der in Vienneherrschenden Kaisers, das in allen Teilen zu vollenden die Nachfolger unter-liessen. Eine sichere Zeitbestimmung ist bei dem Mangel aller Anknüpfungs-punkte nicht zu geben. Man hat den Bau auch für die Spina eines Zirkusausgegeben.
Tafel 1. Besancon, Porte Noire; Cathedrale Saint-Jean.
Bisanz, das Vesontio des Julius Caesar, die alte Hauptstadt der Sequaner,deckte während der Kaiserzeit durch seine feste Lage auf einem Hügel, dender Doubs bis auf eine 500 m breite Landzunge umschliesst, die Kreuzungder grossen Reichsstrassen von der Rhone-Soane zum Mittelrhein und vomSt. Bernhard-Pass zur Seine. Als römisches Municipium blühte es mächtig auf:Unter Trajan, den Antoninen und Marc-Aurel erreichte es seinen Höhepunkt;aber schon 356 wird es von Kaiser Julian als zerstörte Stadt bezeichnet, das5. Jahrhundert brachte weitere Verwüstungen. Bis 534 beherrschten es dieburgundischen Könige.
Von den antiken Bauten hat sich mancherlei erhalten: die Grande Ruedürfte im wesentlichen der Linie des alten niagnus vicus entsprechen, dervon der Brücke bis an den Fuss jenes Hügels führt, der heute die Citadelleträgt. Im 17. Jahrhundert standen hier noch 4 Säulen, deren Bild das Wappender Stadt heute noch festhält.
Dort, wo der magnus vicus in einer Schlangenlinie den Berg zu ersteigenbegann, erhob sich ein Ehrenthor, das dem Mars geweiht gewesen zu seinscheint, die heutige Porte noire.
Im Mittelalter war dieses Thor ganz verbaut. Erst 1820 legte es derArchitekt Marnotte frei. Die arg beschädigte südwestliche Seite wurdegleichzeitig von ihm in vereinfachten Formen erneuert.
I >ie Bogenöffnung ist 5,6 m breit und 9,8 m hoch, Oberkante, Haupt-gesims etwa 14 m hoch. Ein Teil des Sockels steckt noch im Hoden derStrasse. Zu Seiten des Rogens ornamentierte Pilaster, in den Zwickeln Genienmit Palmzweigen in einer Hand und mit einem vom zerstörten Schlusssteinherabhängenden Blumengehänge in der anderen. Weiterhin ein zweigeschössiger Aufbau vorgekröpfter Säulen; zwischen diesen Flachbilder,ebensolche in den Leibungsseiten der Pilaster.
Graef(vergl. Baumeister, Denkmäler des klass. Altertums) weist das Thordem Zeitalter des Aurelian (270—275) zu.
1 lurch das Thor sieht man den Eingang in die Kathedrale St. Jean,einen ansehnlichen mittelalterlichen Bau, der 1731 — 1 735 nach dem Einsturztles Turmes im Stil der Zeit umgestaltet wurde.
Tafel 26. Besancon, Theater.
Das Theater, das vor der Porte noire zur Linken der Grande Rue am Ab-hänge erbaut wurde, war nur von bescheidenen Abmessungen. Der Durch-messer des Säulenhalbkreises, der die Umfassung gegen Südost bildete, be-trug etwa 30 m. Die alten Stufen sind jetzt durch Gartenanlagen bedeckt.Der Bau stand in Verbindung mit der Wasserleitung, die unter Kaiser Marc-Aurel (161 —180) angelegt worden sein soll. Die noch aufrecht stehendenetwa 7'/ä m hohen Säulen und das Stück Gesims entsprechen in ihren Formendieser Zeitangabe.
Die bauliche Entwicklung des Mittelalters hat in Frankreich vielleicht diereichsten Früchte getragen. Hier bildete sich vor allem die Grundform sowohlder Wallfahrtkirche als der Bischofkathedrale.
Als Wallfahrtkirchen stehen in erster Linie nach der ganz zerstörtenSt. Martinskirche in Tours jene zu Reims und zu Toulouse für den heiligenRemigius (Remy) und den heiligen Saturninus (Sernin). Beide führen im (Quer-schnitt den Gedanken des Emporenbaues über den Seitenschiffen und der Chor-anlage sowie des Umganges um den Chor mit grossartiger Folgerichtigkeit durch.
Tafel 157. Reims, Saint-Remy.
Über die Geschichte der Kirche sind wir durch einen Baubericht aus demJahre 1049 gut unterrichtet. Trotzdem ergeben sich viele Schwierigkeitenbei ihrer Beurteilung.
Eine älteste Kirche soll schon 600 erbaut sein; eine neue über demGrab des heiligen Remigius, des Apostel der Franken, wurde 852 geweiht.Sie soll aber nicht genügend sorgfältig ausgeführt worden sein, sodass sich1005 ein Neubau nötig machte. Dieser wurde nach einer Unterbrechung1041 mit minder grossen Absichten wieder aufgenommen und 1049 geweiht.
Obgleich nun bestimmt versichert wird, dass der Bau 1005 von Grundaus geschah, haben sich doch ältere Bauteile bis heute erhalten. Es weiseneinzelne Reste, wie z. B. die in die westliche Schauseite im Querschiff undan andern Orten eingefügten antiken Säulenschäfte, ähnliche Bauteile im Innernder Kirche, wie die grossen korinthischen Kapitale an den Pfeilern des Quer-schiffes, auf Benutzung auch noch römischer Bauglieder. Dargestellt wurde inTafel 157 der Punkt, wo die Eingriffe der verschiedenen Zeiten sich ammerklichsten häufen, nämlich das I.— 4. Joch des Langhauses von der Westschauseite gezählt. Diese gehört mit dem I. und 2. Joch dem Umbau an,den der berühmte Leiter des Baues der Kathedrale von Reims, Pierre deChelles, 1162—1181 errichtete. Verglichen hiermit mag werden der Einblickin das Chorhaus, den Tafel 169 bietet. Denn auch der Chor ist das Werkder Bauthätigkeit im 12. Jahrhundert. In den schlichten Rundbogen und denbescheiden durchgebildeten Kapitalen des auf Tafel 157 in der Mitte dar-gestellten zweigeschossigen Systems erkennt man wohl noch den Hau vonIO4I. Dieser wurde in gotischer Zeit umgestaltet, und zwar winden vor dieteils rund, teils als Bündel gebildeten Pfeiler Säulen gestellt, die nach obensich wieder in Bündel von Dinsfen auflösen. Die Blendrippen sowie d r
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