514 BÜSCHING, WÖCHENTLICHE NACHRICHTEN.
nehmende, übergenaue Angabe von dem Inhalt eines Bildeswie ein Inventarium liefert, nicht geeignet, lebendige Anschau-ung in dem Leser zu erwecken. Was diese Zeitschrift mit-theilt, wird ohne Zweifel von dem übertreffen, was irgend eineStadt am Rhein besitzt. Die Kunstwerke im Dom zu Breslau,worunter so viel Mittelmässiges sich befindet (nach dem bei-gefügten Umriss begreift man das Lob nicht, das einemalbasternen Grabmahl beigelegt wird, Erfindung und Anordnung659 des Ganzen deuten auf eine geschmacklose Zeit), Bilder ausHandschriften, wie der heilige Lucas (II, 49), zu beschreibenund bekannt zu machen, wollen wir an sich nicht tadeln, aberwer das Grosse und Herrliche, das Merkwürdige der altdeutschenKunst gesehen und weiss, dass noch die ersten und nothwen-digsten Arbeiten in diesem Fache zu thun sind, wird uns Rechtgeben, wenn wir glauben, dass zur Zeit wenig Aufklärung undGewinn aus jenen Bemühungen erwachsen kann. Es ist ge-rade, als wollte man sich damit beschäftigen, einzelne beschrie-bene Pergamentblätter und Stückchen von bekannten und nichtsehr bedeutenden Gedichten herauszugeben, während vollstän-dige Codices noch unbekannter und wichtiger dringend eineHerausgabe und Bearbeitung fordern. Herr Büsching indessenist insofern zu entschuldigen, als er wahrscheinlich noch nichtsBedeutendes von der altdeutschen Kunst selbst zu sehen Gelegen-heit gehabt. Der Lucas Cranach im zweiten Bande scheint(so viel man nach dem schlecht gemachten Umriss urtheilenkann) nicht zu den guten Werken dieses Meisters zu gehörenoder vielmehr ist er Schülern oder Gehilfen beizuschreiben,denn so etwas muss man annehmen, wenn man sich die fastunglaubliche Verschiedenheit in den Bildern dieses Meisterserklären will; schon an den in Leipzig entdeckten kann mansie beobachten. Übrigens ist auch in dem Trefflichsten, wenig-stens das wir von ihm gesehen, jene Vollendung und Reinheitder Gedanken und Ausführung, die wir an Eyh und Hämmlingbewundern, schon verschwunden, und wie seine Farbe gegenjene gedämpft und getrübt, so ist der Ausdruck bei dem Suchennach einem Ideal manchmal geziert und unnatürlich. Wasnun die altdeutsche Litteratur betrifft, so sind verschiedene