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2 (1882)
Seite
509
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ZURECHTWEISUNG. 509

kommt ein Vers ohne Senkungen vor. Ich sagte, das sei Roh-heit, nicht alte Kunst, d. h. Rohheit für diese Zeit, nicht alte,längst vergessene Kunst, wo solche Zeilen bekanntlich zulässigwaren. So wird es ein jeder verstehen; aber mein Gegner,der hier ein Recht hätte, seine Kurzsichtigkeit zu beklagen,meint, ich hätte die alte Kunst selbst für Rohheit erklärt. Erbelehrt mich nun über das, was ich schon zum Grafen Rudolf(1844, S. 12) mit reichlichen Beispielen nachgewiesen habe.

Der unglückliche Gedanke, dass Freidank den Waltherausgeschrieben, ja sich selbst bestohlen habe, scheint bei Seitegelegt, aber der scharfsinnige Mann hat eine Entdeckung ge-macht, wonach sich die Übereinstimmung mit Leichtigkeit er-klären lässt: Freidank hat Walthers Lieder auswendig gewusst.Diese Entdeckung ist nicht neu. Ich selbst (obgleich meinGegner sich verwundert, dass ich nicht darauf verfallen bin)habe sie nicht bloss vorgebracht (zweiter Nachtrag S. 16. 17),sondern auch die Gründe angegeben, warum sie nicht anwend-bar ist.

Wilhelm Grimm.

ZURECHTWEISUNG.

Literarisches Centralblatt für Deutschland. Herausgegeben von FriedrichZarncke. Leipzig, Eduard Avenarius. 4. No. 48. 27. November 1858.

S. 771 772.

-tlr. Prof. Franz Pfeiffer hat eine Stelle in der Germania(2, 155. 156), worin meine Ansicht erweitert und übertriebenist, in solchem Zusammenhange vorgebracht, dass ein jederglauben muss, sie rühre in dieser Fassung von mir. Ich be-klagte mich deshalb, und jetzt erklärt er (Germ. 3, 367. 368),dass sie aus Wackernagels Litteraturgeschichte genommen sei.Warum hatte er das verschwiegen? Warum nicht meine eigenenWorte angeführt, denen nichts anzuhaben ist? Sollte die Be-merkung:es gehöre ein Muth dazu, den man bewundern dürfe,wenn man so etwas behaupte", nicht mir, sondern Wackernagel