488 THE RUNES OF ANGLO-SAXONS BY JOHN M. KEMBLE.
der Zerstörung noch mehr ausgesetzt wurden. In dem Jahre1802 Hess Duncan den Stein wieder aufrichten und die beidenverlorenen Querarme des Kreuzes ergänzen. Leider ist vor derZerstörung keine Abbildung des Denkmals gemacht worden.Die älteste, die man besitzt, ist die bei Hickes vom Jahre 1702;eine zweite lieferte zwanzig Jahre später Gordon in seinemitinerarium septentrionale. Die letzte genaue und sorgfältigevon Duncan erschien, prächtig in Kupfer gestochen, in derArchäologie 1834. Alle vier Seiten des Steines enthalten In-schriften und Bildwerke. Auf den zwei breiteren Seiten erblicktman basreliefartige Darstellungen aus der heiligen Geschichteund auf den Rändern, welche die Bilder einfassen, lateinischeInschriften mit lateinischen Buchstaben: die zwei schmälerenSeiten sind mit ausgehauenen Blumenranken, zwischen welchenVögel und andere halbphantastische Thiere sitzen, ausgeziert,gleichfalls auf den Rändern stehen die Runen. Auf die Er-klärung der Runen kommt es aber allein an, da die lateinische,die biblischen Bilder erklärende Inschrift, so weit sie lesbarist, keine Schwierigkeit macht. Kemble zeigt, dass die Sprachekeine andere ist, als die angelsächsische, und zwar wie sie inNorthumberland in dem achten und neunten Jahrhundert ge-sprochen wurde, und dass die lesbaren Stücke Zeilen eines1136 alliterierenden Gedichtes enthalten, welches sich ebenfalls aufdie bildlichen Darstellungen der anderen beiden Seiten bezieht,nämlich auf die Fusswaschung des Heilands durch Maria Magda-lena und auf die Verherrlichung Christi durch seine Leiden.Das Wenige, was ich damals im Allgemeinen über das Denk-mal sagen konnte, war demnach nicht unrichtig. Man hat so-gleich bei Kembles Erklärung das Gefühl, dass er auf demrechten Wege ist, geht man genauer ein, so wird man baldüberzeugt, dass, wenn man auch über eine Einzelheit hier undda noch streiten könnte, im Ganzen sich nichts dagegen wirdaufbringen lassen; diese Erklärung erfreut ebenso durch ge-sunden Sinn und Gewandtheit des Geistes, als durch feineKenntnis der angelsächsischen Sprache und der hier erscheinen-den eigenthümlichen Sprachformen. Kemble äussert sich zu-gleich, nicht ohne polemische Schärfe, gegen die Auslegungen