482 WELTCHRONIK RUDOLFS VON EMS VON A. F. C. VILMAJR.
Prologe, sondern auch in den gemeinschaftlichen Stücken, so-wohl dem Inhalte als der Darstellung nach, gänzlich von derälteren ab. Die ältere Bearbeitung rührt ohne Zweifel vonRudolf von Ems her, wie schon der akrostichische Anfang seinesPrologs beweist. Ich bemerke hier, dass in der ersten Zeile,obgleich alle nachgesehenen Handschriften Richter got herreüber alle kraft lesen, doch, da sich der Vers nicht scandierenlässt, ein Fehler stecken muss; wahrscheinlich ist Richtasre überalle kraft zu bessern. Rudolfs Prolog ist dem König Konrad IVgewidmet. Die jüngere Bearbeitung dagegen, deren Prolog mitChrist herre anfängt, ist ausschliesslich dem Landgrafen Hein-rich von Thüringen zugeeignet, und ihr Verfasser nennt sichnicht, auch nicht seinen Vorgänger, obgleich er ihn gekannt647 hat. Endlich ist Rudolfs Werk abermals von anderen fortge-setzt und auch durch Zusätze im Innern erweitert worden.Die bis jetzt aufgefundenen 42 Handschriften, wozu noch einigeBruchstücke kommen, enthalten entweder eine von den beidenBearbeitungen rein oder einen aus beiden verschiedentlich ge-mischten Text; sie sind nach ihren Bestandtheilen in Klassenabgetheilt und näher beschrieben. Die aus den Handschriftenmitgetheilten Stellen sind mit Einsicht gewählt und lesbar her-gestellt, wenn auch, besonders durch sorgfältigere Beachtungder metrischen Gesetze, noch Manches zu bessern wäre. Soist z. B. 60, 10 zu lesen unde hört; 61, 75 von erst mit dinerkraft; 63a, 211 der umbejage geschuof got; 69, 73 eigenliches;71b, 11 bevant; 72b, 42 ist „wol" zu streichen; 73b, 15 als;73b, 20 wahrscheinlich al ze kurz; 74b, 38 der dühte sich ansaslden; 77a, 182 des ern bäte. Noch Eins und das Anderewäre anzumerken, z. B. S. 22 ist gegen den Reim lande: viandenichts einzuwenden; S. 25 ist namen (namön) als Infinitiv vongenamet zu setzen. Die öfter mangelnde Bezeichnung derlangen Vocale ist leicht nachzuholen.
Die ganze, schon durch Herbeischaffung der wichtigerenHandschriften schwierige Untersuchung ist gründlich, mit Scharf-sinn und Geschick geführt und gewährt klare Ergebnisse. Esist hier wieder ein Beispiel, wie genaue, keine Einzelnheit ver-schmähende Arbeit erst zur wahren Erkenntnis auch der all-