480 RUOLANDES UET VON WILHELM GRIMM.
einer Lücke von zwei Blättern, welche auch ein Schwerinerund ein Stuttgarter Bruchstück, wie sich doch glücklicherweisehätte treffen können, nicht ausfüllen. Ich liefere hier einensorgfältigen Abdruck die Pfälzer Handschrift mit den Lesartender übrigen; zu einer durchgreifenden kritischen Bearbeitungreichten die vorhandenen Hilfsmittel nicht aus: was ich dafür
1130 thun konnte, habe ich in den Anmerkungen zusammengestellt.Die Bilder der pfälzischen Handschrift waren in mehr als einerBeziehung zu wichtig, als dass ich sie hätte zurücklassendürfen; ihre Nachbildung ist treu und durchaus nicht verschönert.Auch eine Schriftprobe von zwei Handschriften hielt ich fürnöthig, weil es schwierig ist, genau ihr Alter zu bestimmen,wiewohl ich der Meinung bin, dass sie noch ins zwölfte Jahr-hundert gehören; und dahin sind auch, wie es scheint, die zweianderen zu setzen, von welchen ich ein Facsimile zu liefernnicht im Stande war.
Das Gedicht ist dem Epilog zufolge durch einen Geistlichen(pfaffen), Namens Konrad, aus dem Französischen übersetzt;der Herzog Heinrich, dessen Gemahlin die Übersetzung veran-lasste, war, wie ich glaube überzeugend dargethan zu haben,Heinrich der Löwe. Die Zeit der Abfassung fällt nach meinerMeinung in das Jahr 1173—77.
Die Fragen, zu welchen die Natur des Gedichts Veran-lassung gab, habe ich in der Einleitung zu beantworten gesucht.Dass ich dabei noch das vor kurzem in Paris bekannt gemachtealtf'ranzösische Lied von Roland, von dem ich in diesen Anzeigen.No. 50. 51. (oben S. 472—479) gesprochen habe, benutzenkonnte, war mir sehr förderlich. Ich habe also das Verhältnisdes deutschen Gedichts zu diesem und den übrigen bekanntgewordenen Darstellungen des Mittelalters untersucht, wobei ichStrickers im 13. Jahrhundert unternommene Überarbeitung amausführlichsten behandeln musste; sodann habe ich über Ent-stehung, Fortdauer, ursprüngliche Gestalt und poetische Auf-fassung der Sage meine Ansicht geäussert.
Die Erklärung eines Bildes ist ausgefallen und daher
lisi S. XXVIII zuzufügen: „16. König Cursable bittet den KönigMarsilie, ihm den Kampf mit Roland zu gestatten".