Druckschrift 
2 (1882)
Seite
475
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LA CHANSON DE ROLAND PAR FRANCISQUE MICHEL. 475

zösischen Denkmälern der epischen Dichtung betrachte, ja ichbezweifle, dass sich unter den ungedruckten, so wünschenswerthdie Bekanntmachung mancher anderen, z. B. Gerhards vonRoussillon, wäre, sich noch eins befindet, das ihm an die Seitegesetzt zu werden verdient. Es ist, wie verschieden im Geiste,das Nibelungelied der welschen Sage: es besingt die Thaten,die fränkische Helden unter Karl dem Grossen vollbrachten,mit der Kraft, dem Ernste, der Einfachheit und Unschuld desursprünglichen Volksepos. Weit ab liegt es im Geiste vonjenem mit der Leichtfertigkeit französischer Galanterie reichlichausgestatteten Gedichte von Charlemagne, das Karls mit denzwölf Pairs unternommenen Zug nach Jerusalem beschreibt.

Es befinden sich in Frankreich mehrere, darunter auchalte Handschriften des Rolandsliedes, aus welchen Monin inseiner Dissertation (sur le roman de Roncevaux, Paris 1832,wozu Michels examen critique, das in demselben Jahre erschien,gehört) einen Auszug mit eingerückten Stellen geliefert hat; 493auch wurde schon damals der Abdruck einer Handschrift durchBourdillon angekündigt, der aber nicht zu Stande kam. Einälterer und, schon nach dem Auszuge in der hist. litt, deFrance 18, 714720 zu urtheilen, besserer Codex wurde inder Bodleianischen Bibliothek zu Oxford aufbewahrt. Durchdie dankbar anzuerkennende Unterstützung des französischenMinisteriums, an dessen Spitze Guizot stand, ward es Hrn. Michelmöglich gemacht, nach England zu reisen und eine auch äusser-lich würdig ausgestattete Ausgabe zu liefern. Wir erhalten hierseine eigenhändige Abschrift des Bodleianischen Manuscripts,dem ein Facsimile beiliegt. Auf eine kritische Behandlung desTextes hat sich der Herausgeber, wohl mit Recht, nicht einge-lassen: es ist ein einfacher Abdruck, dem er einige Anmer-kungen und ein brauchbares Glossar mit eingemischten anti-quarischen Erläuterungen zugegeben hat. Die Vorrede enthältlitterarische Nachweisungen und eine durch reichliche Mittheilungeinzelner Stellen schätzbare Übersicht aller bis dahin bekanntgewordenen Handschriften des Liedes. Endlich gibt der Heraus-geber, unterstützt von anderen Gelehrten, in einem AnhangeAuskunft über alle ihm bekannt gewordenen Darstellungen der