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2 (1882)
Seite
474
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474 LA CHANSON DE EOLAND PAR FRANCISQÜE MICHEL.

Früchte langer Cultur gewöhnt ist, so hängt das Epos dagegenmit der geschichtlichen Entwickelung des Volkes und deräusseren Erscheinung seines Lebens zusammen und kann erstdurch Einsicht in die Umgebungen, in welchen es aufwuchs,vollständig und in seinem Werthe erkannt werden. FaurielsVorlesungen (de l'origine de l'epopee chevaleresque du moyenage. Paris 1832), denen Unlands schöne Abhandlung über dasaltfranzösische Epos (1812) vorangegangen war, gewähren einepassende Einleitung in dies Studium. Fauriel geht von gesundenAnsichten aus und hat sie auf eine geistreiche Weise mit derseiner Nation eigenthümlichen Behendigkeit dargelegt. Hat erauch die Quellen nicht mit der Genauigkeit und Gründlichkeit,an welche wir Deutsche gewöhnt sind, untersucht, so hat erdoch mit natürlichem Takt und einem scharfen Auge dasBedeutende glücklich herauszufinden gewusst. Für mehr alseine einladende Vorarbeit kann das Buch freilich nicht gelten.Indessen ist auch die histoire litteraire de France in ihrem18. Bande (1835) bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts fort-gerückt. Da die Wege also abgesteckt sind, so war es Zeit,die eigentliche Arbeit zu beginnen, und schon jetzt haben wirUrsache, uns des Fortschritts darin zu erfreuen. In wenigenJahren sind wichtige Quellen der epischen Poesie bekanntgemacht worden. Paulin Paris hat Berte aus grans pies (Paris1832) und Garin le Loherain (2 Bände, Paris 1833. 1835),492 Francisque Michel, der sich besonders thätig zeigt, the poeticalRomances of Tristan (2 Bände, London 1835) und Charlemagne(London 1837) herausgegeben, wozu die oben genannte chansonde Roland kommt 1 ). Auch in dieser Richtung hat Deutschlandseine Theilnahme durch von J. Bekker besorgten provenzalischenFierabras, dessen Werth von französischen Gelehrten anerkanntwird, bethätigt. Wird es dort jemand übernehmen, uns einaltdeutsches Gedicht zuzuführen?

Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich das Rolands-lied als das wichtigste unter allen bisher bekannten altfran-

*) Die hiesige Bibliothek hat nicht gesäumt, sieh mit diesen Schätzen,die meist nur in einer geringen Anzahl von Exemplaren abgedruckt sind, zubereichern.