Druckschrift 
2 (1882)
Seite
473
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LA CHANSON DE ROLAND PAR FRANCISQDE MICHEL. 473

sucht von selbst, im Gefühle ihres Mangels, ein Bild dauerndernaturgemässer Zustände. Möge sie daraus eine Stärkung em-pfangen. In Deutschland war es der Druck fremder Gewalt,der dem Studium des Mittelalters neue Kraft gab, und derdamals gelegte Keim ist herangewachsen und trägt schon jetzt 490nicht verächtliche Früchte. Mit den Gesängen der Troubadourswar man, wie etwa in Deutschland mit den Minneliedern,immer in einiger Bekanntschaft geblieben; an sie knüpfte sichin der Ausgabe von Raynouard (Paris 18161821) das neubeginnende Studium, an welchem auch Deutschland in dengelehrten, aus den Quellen geschöpften Werken von Diez denwürdigsten Antheil nahm. Zunächst kam an die Fabliaux, vonwelchen Meon eine neue Ausgabe lieferte, an die Poesieen derMarie de France, an den von den Franzosen überschätztenRoman von der Rose und kleinere Gedichte, die, weil sie keck,witzig, heiter und frivol sind, dem französischen Geiste besonderszusagen, die Reihe. Der Roman du Renard verdankt viel-"leicht seine Herausgabe durch Meon (1826) der so verbreitetenAnsicht, dass er eine politische Satyre enthalte, die auf alleZeiten anwendbar sei. Nicht eigentlich der Sagenpoesie zuge-hörig ist der Roman de Ron et des ducs de Normandie vonRobert Wace, den Pluquet (Rouen 1827 in zwei Bänden) heraus-gab. Die Geschichte des Chatelain de Coucy und der DameFayel hat Crapelet (1829) bekannt gemacht. Auch die Anfängeder dramatischen Kunst, die Mysterien, sind so eben bedachtworden. Die erste epische Dichtung ward am längsten zurück-geschoben. Der grosse Umfang der vorhandenen Denkmälerund die daraus entspringende Schwierigkeit, sich des materiellenInhalts zu bemächtigen, die ein anhaltendes Studium und einvolles Hingeben an den Gegenstand verlangt, mögen dieUrsache gewesen sein. Und doch waren hier Schätze an dasLicht zu ziehen, die durch ihren inneren Werth ebenso wiedurch ihre Wichtigkeit für die Geschichte der Sage sich aus-zeichnen. Wenn die rein lyrische Dichtung, menschliche Gefühle 491und Empfindungen offenbarend, nach Jahrhunderten noch wahrund eindringlich bleibt und sogar der Gesang eines in Wäldernhausenden Wilden dem zusagen kann, der an die feinsten