Druckschrift 
2 (1882)
Seite
469
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WOLFRAM VON ESCHENBACH VON SAN-MARTE. 469

und tiefdenkenden Dichter folgen und das verschlungene Gewebeder Fabel gegenwärtig behalten will. Am dankbarsten werdendiejenigen eine Übersetzung aufnehmen, welche sich mit der 648alten Sprache nicht gerne befassen wollen, aber Einsicht in denInhalt und Geist von Wolframs Gedichten zu erlangen wünschen.Hier empfangen sie vorerst sein grösstes, mit einer Fülle vonpoetischem Leben ausgestattetes Gedicht, den Parcival. HerrSan-Marte (wie sich der Übersetzer nennt) hat mit Takt undGeschick die Sache angegriffen: er hat sehr richtig eingesehen,dass eine wörtliche, dem Inhalte und Sinn streng folgendeÜbersetzung gar nicht möglich sei, und sich daher mit vollemRechte die Freiheit genommen, das alte Gedicht Form undInhalt nach, darf ich so sagen? mundrecht zu machen. Es kannjetzt mit viel grösserer Bequemlichkeit genossen werden. Wolf-ram sucht einsame, von anderen noch niemals betretene Pfade,hier ist der Weg gebahnt, auf welchem man, ohne aufgehaltenzu werden, fortschreiten kann: Ob im Einzelnen der Sinnjedes Mal genau getroffen sei, würde eine überflüssige Unter-suchung nöthig machen: wir vertrauen, dass der Übersetzer imGanzen sein Original verstanden hat; und da er, wo er esangemessen findet, eine Reihe von Versen auslässt oder umstellt,um den Gang der Erzählung, den Wolfram so gerne unterbricht,regelmässiger zu machen, so kommt es auf den grammatischenSinn von ein Paar Zeilen oder eines Satzes gerade nicht an.Da eine mit Einsicht und sichtbarer Liebe zur Sache ausge-führte Einleitung den Geist jener Zeit in allgemeinen Umrissendarstellt, für das Verständnis im Einzelnen ausserdem Anmer-kungen hinzugefügt sind, endlich durch Abtheilungen und kurzeAngabe des Inhalts die Übersicht des Ganzen erleichtert wird,so ist es kaum nöthig das Buch zu empfehlen: es wird sichdenen, deren Bedürfnis es mit Sinn und Geschmack befriedigt,

von selbst empfehlen.

W. Grimm.