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2 (1882)
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VRIDANKES BESCHEIDENHEIT VON WILHELM GEIMM. 465

festen Form gediehen; wir bevorzugen für den Ausdruck dieses 423oder jenes Gedankens nicht das eine Sprichwort, sondern wirfreuen uns der Veränderung und des Neuen: wir begnügenuns an der sprichwörtlichen Redensart und am figürlichen Aus-druck, schaffen deren noch jeden Tag neue, wie andere Natio-nen oder Städte ihre Modewitze haben, und es ist vielleichtbezeichnend, dass wir jene Redensarten oft mit dem Sprichworteselbst verwechseln." Mir scheinen die in der Einleitungzusammengestellten Sprichwörter aus dem 12. und 13. Jahr-hundert, die sich bei Freidank wiederfinden, sodann die bedeu-tende Anzahl derer, die bei Seb. Frank [Brant?] und anderen im16. und 17. Jahrhundert und in den Sammlungen von Sailerund Kirchhofer noch heutzutage und zwar so genau, als es insolchen Dingen nur möglich ist, mit ihm übereinstimmen, jeneBehauptung so vollkommen zu widerlegen, dass ich nichtsweiter hinzufügen will.

Da ich glaube, dass die vorangegangenen, durch das Werkdes Herrn Dr Gervinus veranlassten Erörterungen für das Ver-ständnis Freidanks Einiges beitragen, so will ich mich nichtweiter entschuldigen, dass ich die Grenzen einer Selbstanzeigeüberschritten habe. Ich kehre zu dieser zurück, indem ichnoch Einiges mitzutheilen habe. In der Anmerkung zu 39, 10wird gefragt, was das für ein vierfacher Lohn sei? Es scheint,die Stelle ist unvollständig oder verderbt. Herr Hofrath Beneckehat eine kühne, aber zugleich eine schöne Erklärung gewäh-rende Herstellung versucht, die darauf beruht, dass V. 39, 615als ursprünglich zusammengehörig, in ihrer richtigen Folgeaber durch Abschreiber verwirrt betrachtet werden. Ich machesie hier mit seiner Erlaubnis bekannt.

Vier groze lcene almuosen hat: 424

vro ist derz git als derz enpfät;

als vil sin ist des man da git,

als dürft sin ist in hungers zit;

wazzer leschet fiures gluot

alsam almuosen sünde tuot;

almuosen bitet vür den man,

der selbe niht gebiten kan:

W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. II. 30