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2 (1882)
Seite
458
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458 VR1DANKES BESCHEIDENHEIT VON WILHELM GRIMM.

memoria, intellectus. War Freidank ein Mann wie Waltheroder war er Walther selbst, so hat er wenig Müsse gehabt inBüchern zu lesen, wenn er überhaupt lesen konnte: er suchteseine Weisheit im Leben und bei dem Volke; ich finde nicht,dass er sagt: ich hän gelesen, aber wohl: jehent diu kint, wieandere: jehent die wisen oder min vater sagete mir daz. Tho-masin dagegen rühmt sich oft seiner Leetüre, ich hän gelesenunt vernomen (117". 120 b . 130 b . 162\ 210 b ), oder ich hän ge-heeret und gelesen (3\ 49". 121"). Man weiss, dass die Dichterjener Zeit mit der Feder umzugehen nicht verstanden, Thomasindagegen hält am Eingange des 9. Buches (187189) eine langeUnterredung mit der seinigen, die ihn bittet, ihr von der An-strengung acht Monate hindurch Tag und Nacht einige Ruheund Erholung zu gönnen. Was man von dem Werke zu er-414 warten hat, lässt sich aus dem Gesagten schon abnehmen, es istder Ertrag seiner Studien. Er sagt das zum Überfluss selbstam Eingange mit klaren und deutlichen Worten: Swaz er (derDichter) spricht, er hat ez niht genomen von weihischer schritt,doch ist der ein guoter zimberman, der in sime werke kan steinund holz legen wol da erz von rehte legen sol. daz ist un-tugende niht, ob ouch mir lihte geschiht daz ich in mins ge-tihtes want ein holz, daz ein ander hant gemeistert habe, legemit dem list, daz ez gelich dem andern ist. Da von sprach" einwise man:swer gevüegelichen kan setzen in sime getihte einrede, dier machet nihte, der hat also vil getan (da zwivelt nihtsniht an) als der vor im erste vant; der funt ist worden sinzehant." Ez ist in minem willen wol, daz man sin rede stastigensol mit ander frumer liute lere: niemen versmäher; daz ist ere.Zu dem, was er aus anderen geschöpft hat, fügt er eigene Be-trachtungen, Beziehungen auf die Ereignisse seiner Zeit, man-cherlei Redensarten und Sprichwörter aus dem Volke: was ermit Freidank gemein hat, habe ich in der Einleitung und inden Anmerkungen angeführt, die Abfassung ist bei Freidankimmer verschieden, und er hat Thomasins Werk, das dreizehnJahre früher beendigt wurde, offenbar nicht gekannt. OhneZweifel ist der welsche Gast in mehr als einer Beziehung fürdie Kenntnis jener Zeit, vielleicht auch für die Geschichte der