Druckschrift 
2 (1882)
Seite
451
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VRIDANKES BESCHEIDENHEIT VON WILHELM GRIMM. 451

im 14. Jahrhundert verschweigt die Quelle. Fortdauer durchdie folgende Zeit beweisen die vorhandenen Papierhandschriften.In dem 16. Jahrhundert ward es durch eine trocken moralischeÜberarbeitung von Sebastian Brant der herrschenden Gesinnungnäher gebracht und in dieser Gestalt in einem Zeitraum von75 Jahren nicht weniger als siebenmal aufgelegt. In demnächstvergangenen Jahrhundert erkannten Lessing und Herderseinen Werth, und der Abdruck in der Müllerschen Sammlunghalf zwar dem nächsten Bedürfnis ab, erschwerte aber durchden schlechten, häufig verderbten Text die Einsicht in diewahre Gestalt und den wahren Werth des Werkes. Dass diegegenwärtige Ausgabe dazu beitrage, es wieder in seine alteWürde einzusetzen, darf ich wünschen, ohne dieses Erfolgesgewiss zu sein. Zwar bei den Kennern der altdeutschenLitteratur wird es an Theilnahme dafür nicht fehlen, und diesgenügt einstweilen, ob aber auch andere, welche das Mittelalterzum Gegenstande ihrer Studien gemacht haben und wohl zuthun glauben, wenn sie an seinen Denkmälern vorübergehen,sich mit einiger Geneigtheit zu dieser Quelle herablassen wollen,mag dahin gestellt bleiben und lässt sich ruhig erwarten. Zuakademischen Vorlesungen scheint mir Freidank, eben weil erso unmittelbar zur Anschauung seiner Zeit hinleitet, besondersgeeignet.

Es ist kein grosses Verdienst, wenn meine Bearbeitung desTextes leidlich ausgefallen ist, es würde aber ein grosser Vor-wurf daraus erwachsen, wenn sie ohne Werth wäre, denn ichhatte bis auf zwei unbedeutende Handschriften alle bekannt 405gewordenen Quellen und Hilfsmittel nach und nach zusammen-gebracht, nämlich ausser den wichtigsten gedruckten Ausgabendes 16. Jahrhunderts achtzehn Codices, von welchen freilicheinige blosse Bruchstücke enthielten. Es waren gute und sehrbrauchbare darunter, aber leider kein einziger ausgezeichnettrefflicher, und in der glücklichen Lage, der sich Lachmannbei der Herausgabe des Parzival, die in aller Hinsicht einMuster bleiben wird, erfreute, befand ich mich nicht. DieHandschriften theilten sich in vier Klassen, wovon jede einebesondere Ordnung in der Folge der einzelnen Sprüche zeigte.

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