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2 (1882)
Seite
449
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VRIDANK.ES BESCHEIDENHEIT VON WILHELM GRIMM. 449

geriev, ich habe was ich brauche, das Nöthige, ein einge-drungen sein?

Es würde löblich sein, wenn Herr Schulze sich weiter mitden Dialekten des Harzes beschäftigen, dabei Sagen, Sitten undGebräuche, wie sie dort herrschen, sammeln wollte: die eigen-thümliche Beschäftigung wie die grossartige Natur muss auf dieGedanken und das geistige Leben des Menschen entschiedenenEinfluss ausüben. [anonym.]

VRIDANKES BESCHEIDENHEIT m

von Wilhelm Grimm. Göttingen. In der Dieterich'schen Buchhandlung.CXXX und 438 S. in 8.

Göttingische gelehrte Anzeigen. Bd I, 41. 42. 43. 45. Stück,den 16. 19. 23. März 1835. S. 402424. 445448.

xxls Kaiser Friedrich II nach langem Zaudern endlichgegen den Willen des Papstes im Jahre 1228 den kurzen abermerkwürdigen Kreuzzug unternahm, befand sich unter seinemGefolge ein höfischer Dichter, den die Sehnsucht, das heiligeGrab zu sehen, vielleicht auch Vasallenpflicht bewogen hatte,sich anzuschliessen. Nachdem der Kaiser, bei an sich geringenMitteln und durch den Bannstrahl des erzürnten Papstesgelähmt, einen in jedem Falle günstigen, nur durch die seltsamverwickelten Umstände erklärbaren Frieden schnell und uner-wartet abgeschlossen hatte, eilte er nach Jerusalem, wo er dieneu erworbene Krone sich selbst aufs Haupt setzte. Währenddieser Abwesenheit des Kaisers verfasste der zu Ackers oderPtolemais zurückgebliebene Dichter, der sich selbst VRIDANCnennt, ein Gedicht, dem er den Titel BESCHEIDENHEITgab. Dieses Wort bezeichnete damals so viel als richtige Ein-sicht und Beurtheilung der Dinge, also etwas ganz Anderes alswas wir heutzutage darunter verstehen, so dass unsere modestiadabei nicht ins Spiel kam, obgleich man einsieht, wie sie ausjenem Begriffe sich entwickelte, indem sie billigerweise immerdie Folge davon sein sollte. Freidank gedenkt der historischenEreignisse, von denen er Zeuge war, und sein Gedicht ist auch

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