Druckschrift 
2 (1882)
Seite
446
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446 BÄUMLEIN, DAS GRIECHISCHE UND DAS GOTHISCHE ALPHABET.

Wort Killiggans (im Bragur steht obendrein, weil das aus-577 lautende S dem lateinischen E gleicht, Killiggane), das unserVerfasser mit einem abermaligen FehlerKilligans" schreibt.Man könnte zur Entschuldigung anführen, dass in der Urkundevon Arezzo nach der Abbildung bei Knittel das Wort ebenfallsin dieser Form vorkomme, aber auch diese Abbildung ist soschlecht, dass kein Zweifel übrig bleibt, in dem Original stehedas Richtige. Das zweite Beispiel ist noch wichtiger. Das U,gerade einer der merkwürdigsten Buchstaben des gothischenAlphabets, weil er unveränderlich in der Gestalt der untenoffenen Urrune erscheint, ist im Bragur geradezu wie das Uder lateinischen Uncialschrift, d. h. unten geschlossen, darge-stellt: davon weiss das Sierak. Facsimile nichts, wo nur häufigdie beiden Striche oben nicht verbunden, unten aber immeroffen sind. Hr. B., seiner trüben Quelle folgend, sieht sich ge-nöthigt, ein zweites gothisches, dem lateinischen gleiches U an-zunehmen, und zieht daraus S. 8890 Folgerungen, die natür-lich ohne allen Grund sind. Der letzte Vorwurf, den wir demVerf. machen, hätte eigentlich der erste sein sollen: ihm- sindgothische Denkmäler, die gerade für seine Untersuchungenwichtig, ja unentbehrlich waren, unbekannt geblieben. Wirmeinen drei verschiedene, sehr eigenthümliche gothische Alpha-bete mit besonderen Benennungen der Buchstaben, gothischeFragmente, gothische Zahlen, und endlich noch ein gothischesAlphabet mit beigesetzten Ziffern, welche merkwürdigen Über-reste aus Wiener und einer vaticanischen Handschrift Rec. schonim Jahre 1828 in den Wiener. Jahrbüchern der Litteratur, einerallgemein zugänglichen Zeitschrift*), in sorgfältigen Nachbildungen578 bekannt gemacht und erläutert hat. Es gibt kaum einen Satzdieser Abhandlung, den der Verf. nicht selbst, wenn er mitdiesen Quellen bekannt gewesen wäre, anders aufgestellt odervöllig umgeändert hätte. Man wird dies an'sich schon so na-türlich finden, dass es genügt, wenn wir ein einziges weiternicht ausgesuchtes Beispiel anführen. Der Verfasser legt Ge-wicht darauf, dass sich die griechische Form des S zu UlfilasZeit (nämlich C) in dem gothischen Alphabet nicht finde, welches

*) [Vgl. den zweiten Aufsatz im dritten Band der Kl. Sehr.]