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2 (1882)
Seite
445
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BÄUMLEIN, DAS GRIECHISCHE UND DAS GOTHISCHE ALPHABET. 445

ist sogar falsch. Erstlich hat Hr. B. einer im litterarischen An-zeiger von 1806 durch Aretin bekannt gemachten Urkunde, dieein Fragment eines lateinischen mit gothischen Buchstaben ge-schriebenen Sendschreibens des Kaisers Glycerius an den ost-gothischen Feldherrn Widemir vom Jahre 473 enthalten soll,Vertrauen geschenkt, und die Echtheit derselben scheint ihmdurch dievielseitige und gründliche" Prüfung Aretins hin-reichend erwiesen. Weitläuftig ist allerdings der genannte Com-mentar, aber so ungründlich, dass eine oberflächliche Betrach-tung der vorgeblichen Urkunde, der Gebrauch des U in derGestalt des lateinischen Buchstaben, des J als G usw. schon 576das erbärmliche Machwerk darthut. Indessen ist der Schade,der daraus der Abhandlung erwächst, nicht bedeutend: diesevielleicht noch kein Jahrhundert alten gothischen Buchstabenfiguriren fast nur in der einen Tabelle, und es ist nichts vonBelang daraus geschlossen. Folgenreicher ist der zweite Fehl-griff des Verf. Er hat sich bei den neapolitanischen Urkundender ganz elenden Nachbildung in Gräters Bragur bedient, vonwelcher man ohne Übertreibung behaupten kann, dass sie nichteinen einzigen Buchstaben genau und richtig darstelle. Da dasschöne Facsimile von Sierakowsky nicht in den Buchhandelgekommen und schwer zu erlangen ist, so kann die Vernach-lässigung davon Hrn. Prof. B. nicht eigentlich zum Vorwurfgereichen; allein Rec. meint, dass Hr. Prof. B. das Alphabet,das Rec. daraus in der vergleichenden Tabelle zu seinem Bucheüber die Runen zusammengestellt, nicht so gänzlich durfte un-berücksichtigt lassen: der Widerspruch mit der früheren Nach-bildung konnte ihm nicht entgangen sein. Natürlich irrt derVerf. fast in allen Behauptungen, die sich auf die Gestalt derBuchstaben in den neapolitanischen Urkunden gründen. Nureinige Beispiele. In den neapolitanischen Urkunden kommtnicht weniger als viermal und ganz deutlich das Wort SKIL-LIGGANS vor, der acc. pl. von SKILLIGGS (Schilling).Weil das anlautende S umgewendet steht, so ist es in der altenNachbildung entweder ganz ausgelassen oder ein blosser sinn-loser Streich abgesondert hingestellt. Auf diesem Wege er-wächst ein unerhörtes Zeichen für S und das abenteuerliche