BÄUMLEIN, DAS GRIECHISCHE UND DAS GOTIIISCHE ALPHABET. 441
wohl auch die Zischlaute. Die mit den letzten vorgegangenenVeränderungen zogen auch eine Veränderung in ihrer Stellungnach sich.
Zu dem ursprünglichen Alphabet kam sehr frühe das ausdem ßau hervorgegangene T oder V, darauf $t in der Figureines Kreuzes im italischen Griechenland, yX in der Figur eines<b im äolisch-dorischen Dialekte, yl in gewöhnlicher Gestalt beiden übrigen Griechen und cp im eigentlichen Hellas. Zuletztfügte dem griechischen Alphabete Simonides aus Keos um dasJahr 500 noch S (mit dem mitten herabgezogenen Verticalstrich),l F (für <}»t) und ß bei und gab dem H die Bedeutung eines e.Dieses von Simonides erweiterte und veränderte Alphabet brachtezur Zeit des peloponnesischen Krieges unter dem ArchontenEuklides im 2. Jahre der 94. Olympiade (= 403 vor Chr.) derSamier Kallistratos nach Athen, worauf dann das alte, ein-heimische Alphabet, äpytua, Ttcdaia, eirt^cupta, nach seinem erstenUrsprünge Ooivixr/ia, KaSfxr/i'a, nach den griechischen Stämmen,die es zuerst annahmen, Ättixgc, Icovixot, üeXas^ixÄ fpdjxjxaTa ge-nannt, gegen das bequemere neuere ('Ituvix« ypccji^aTa, weil diese 571Stammesbenennung nur dem nach Asien ausgewanderten Theilegeblieben war) vertauscht ward."
Nachdem wir noch angemerkt haben, dass Hr. Prof. Bäumleineiner der geschichtlichen Betrachtung sich empfehlenden, neuer-dings von Bopp (vergleichende Grammatik S. 3) angenommenenBehauptung Jac. Grimms, die Vocale E und O seien späterenUrsprungs, entschieden und mit der Äusserung entgegentritt(S. 43. 44): „diese Annahme sei von dem Standpunkte derreinen Sprachlehre" (das heisst doch wohl der philosophischen?)„betrachtet so sonderbar und setze eine so wunderliche Vor-stellung von dem Leben der Sprachen voraus, dass er nichtumhin könne, sich zu verwundern, wie denkende, mit dem or-ganischen Leben der Sprache vertraute Forscher sie aufstellenoder annehmen möchten": so überlassen wir die Beurtheilungdieses Abschnittes anderen und wenden uns zu dem zweiten,der den Rec. näher angeht, über die Entstehung der gothischenSchrift (S. 56—116).
Hr. Prof. Bäumlein stimmt mit dem Eec., der in seinem