LE PANTCHA-TANTRA PAR J. A. DUBOIS. 437
höchsten Weisheit, die mit besonnenem Ernste und mit reicherErfahrung den Weltereignissen begegnet, die unbeschreiblichstenAlbernheiten ausgeführt werden. Betrachtet man es als einehumoristische Liebhaberei an der Dummheit, so wird man dasGanze höchst ergötzlich, die Ausführung trefflich finden; um die-ses Urtheil zu rechtfertigen und einen deutlichen Begriff von dem"Wesen dieser Poesie zu geben, müssen wir eine kleine Probeausheben. Meister Paramarta befindet sich mit seinen Schülernauf einer Reise und gelangt zur Mittagszeit zu einem kleinenFlusse, wo sie eine seichte Stelle aufsuchen. Als sie glücklichgefunden ist und die ganze Gesellschaft eben im Begriffe stehtdurchzuwaten, wird der Meister bedenklich, und indem er sichder Tücken erinnert, die das Wasser schon oft ausgeübt, er-theilt er den weisen Rath, nur dann erst in den Fluss zu treten,wenn er sich in dem Zustande des Schlafes befinde. Dumm-kopf wird ausgeschickt, darüber Nachforschungen anzustellen,ihm aber dabei die grösste Vorsicht empfohlen. Er nähert sichalso sachte und berührt endlich mit einem Stückchen brennen-den Holz die Oberfläche des Wassers. Da das Feuer sogleichmit Zischen verlischt und der Rauch ihm ins Gesicht steigt, so 759läuft er erschreckt zurück und meldet dem Meister, das Wassersei in heftigen Zorn gerathen: als er es nur leise berührt, habees um sich gesprüht und gleich einer Schlange gezischt, ihnselbst habe es durch einen gewaltigen Rauch ersticken wollen,und nur durch ein Wunder sei er entronnen. Ohne Lebens-gefahr könnten sie in diesem Augenblicke den Fluss nicht pas-sieren. Paramarta ergibt sich in die Fügung des Schicksals,lässt sich mit seinem Gefolge an dem Ufer nieder, um geduldigden Zeitpunkt zu erwarten, wo der Fluss in Schlaf fallen werde.Erst als sie sehen, dass ein anderer Reisender mit seinem Pferderuhig durchreitet, fassen sie neuen Muth, und nach abermaligenweisen Reden und Berathungen wird Dummkopf zum zweitenMale abgesendet, den Zustand des Flusses zu erforschen. Mitzitternder Hand hält er das ausgelöschte Holz an den Spiegeldes Wassers, der sich jetzt nicht regt. Er wiederholt die Probenoch einige Mal und läuft dann voll Freude zu seinem Meister,um ihm anzukündigen, dass das Wasser in tiefem Schlafe liege.