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2 (1882)
Seite
428
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428 QUELLEN D.SHAKESPEARE V. ECHTERMEYER, HENSCHEL, SIMROCK.

253 füllen, geleistet hat, ist in der That dankenswerth. Er hatmit Sinn und Geist, mit sichtbarem Fleiss und Liebe zur SacheInhalt und Zusammenhang der alten Überlieferungen erörtertund die ursprüngliche Idee darin aufgesucht. Das Interesse,das dadurch erregt wird, gleicht dem, welches grammatischenUntersuchungen eigen ist, die die Wurzel eines vielfach umge-stalteten Wortes zu entdecken streben; denn die Sage ist wiedie Sprache etwas Lebendiges, das sich zwar die Willkür derMenschen muss gefallen lassen, aber doch niemals ganz von ihrunterjocht werden kann. Herr Simrock hat manches Neue,einiges Überraschende und Glückliche vorgebracht, und zwarin einer belebten und anziehenden Darstellungsweise. Wirkönnen in das Einzelne nicht eingehen; als das Vorzüglichstenennen wir die Anmerkungen zu Julie und Romeo, Hamlet unddem Kaufmanne von Venedig; bei dem Letzteren ist die Ansichtausgeführt, dass durch die Sage von dem Ausschneiden desverpfändeten Fleisches der Gegensatz zwischen dem alten, strik-ten und dem mildernden prätorischen Rechte ursprünglich seidargelegt worden. Diese Idee ist mit Scharfsinn und Gewandt-heit entwickelt, wir haben nur dabei zu bemerken, dass, da diegelehrte Kenntnis der römischen Rechtsgeschichte und jenesUnterschieds, der allerdings den Hauptinhalt derselben ausmacht,schwerlich eine wahre Volkssage (und eine solche haben wirgewiss vor uns) veranlasst hat, der Ursprung derselben in eineZeit fallen müsste, wo jener Unterschied lebendig gefühlt wurde,ihr also ein ausserordentliches Alter zukäme, wofür einige ältereZeugnisse nothwendig sind, wenn die Hypothese nicht allzu

254 gewagt sein soll. Rec. ist also geneigt, vorerst noch für dasWahrscheinlichste zu halten, dass bei der Entstehung dieserSage der jüdische Glaube an die reinigende Kraft des Christen-blutes, der jüdische Christenhass, endlich auch das Bestreben,die jüdische List und Verschlagenheit als eine niedrige darzu-stellen, die vor der höheren Klugheit der Christen zu Schandenwerde, gewirkt habe.

Noch eine Bemerkung über das ganze Buch. Man liestin Beziehung auf Shakespeare diese Sammlung mit einem eigenenGefühle von Bewunderung und Erstaunen. Das Verschieden-