DE HILDEBRANDO CARMINIS FRAGMENTUM EDIDIT GU. GRIMM. 425
einer anderen Hand. Diese zweite Hand ist weniger fest, dieBuchstaben sind ungleicher und krauser, und als eine Ver-schiedenheit in der Gestalt derselben kann noch angemerktwerden, dass der Kopf von g allzeit völlig geschlossen erscheint,während der erste Schreiber daneben noch ein anderes g ge-braucht, dessen Kopf unten nicht ganz zugezogen ist. Mit demWorte inwit Z. 32 hat dieser wieder die Feder genommen.Ausser Zweifel gesetzt wird die Behauptung durch die Ver-schiedenheit der Orthographie in jenen acht Zeilen, wovon dieBeweise in der Vorrede zusammengestellt sind.
Diese Entdeckung scheint vielleicht auf den ersten Anblickziemlich unwichtig, indessen ergeben sich daraus einige nicht 468gleichgültige Folgerungen. Erstlich wird es unwahrscheinlich,dass das Lied aus einem Codex abgeschrieben sei: warum sonsteine Veränderung in der Orthographie? Dies ist auch deshalbnicht zu vermuthen, weil man sonst hätte voraussehen müssen,dass der übrige Raum nicht genüge; ein grosser Theil desLiedes scheint noch zurück, denn es fehlt die ganze Entwicke-lung der Erzählung. Zweitens kann man sich nicht vorstellen,dass der Schreiber aus eigener Erinnerung das Lied aufge-schrieben habe, denn sollte er mitten in der Arbeit aufgestandensein und einem anderen einige Zeilen dictiert haben? Der Fall,dass beide Schreiber das Lied auswendig gewusst und daherder zweite, als der erste gestört worden, habe fortfahren können,ist bloss möglich, aber schon an sich nicht sehr wahrscheinlichund wird völlig abgewiesen durch die Übereinstimmung beiderin einer auffallenden Eigenthümlichkeit. Beide gebrauchen näm-lich — braht und — brant in der Zusammensetzung der Eigen-namen Hiltibrant und Hadubrant als völlig gleich. Darf mannach den späteren Gedichten urtheilen, so verdient —brant denVorzug.
Auf eine ,und dieselbe Quelle werden wir also hingewiesen,und die kann nicht leicht etwas Anderes als mündliche Über-lieferung gewesen sein. Das wird auch wohl durch einekritische Untersuchung bestätigt werden, welche die Eigen-thümlichkeit solcher Auffassungen nachweist, ich meine ebenso wohl Lücken des Textes, als überflüssige Zusätze. Ob es