424 DE HILDEBRANDO CARMINIS FRAGMENTUM EDIDIT GU. GRIMM.
werden. Das Facsimile, welches Eckhart in der Francia orientalisvon den 14 ersten Zeilen lieferte, scheint flüchtig und aus freierHand gemacht: nicht bloss hat die Schrift darin ihren eigen-thümlichen Charakter verloren, und ist genau genommen keineinziger Buchstabe richtig, sondern es finden sich auch indiesem kleinen Stücke nicht weniger als fünf grobe Fehler.Z. 5 steht rrtun für rifun, Z. 8 firet für fireo, Z. 10 chuninefür chunine, Z. 14 herttu für heittu, und oftar für ostar. MitHilfe des trefflichen Pariser Pflanzenpapiers verfertigte derHerausgeber eine Durchzeichnung des Ganzen, bei welcher ersich keine Mühe verdriessen liess und von welcher er glaubtohne Anmassung behaupten zu dürfen, dass sie im Stande sei,das Original völlig zu vertreten. Jede Zeile, jeder Buchstabehat seinen richtigen Platz, kein Strich fehlt, keine verwischteoder abgesprungene Stelle ist ausgefüllt, und blasse und schwarzeDinte unterscheiden sich wie im Original. In der Übertragungder Zeichnung auf den Stein ist geschehen, was möglich war,und schwerlich würde ein Kupferstich dieser so nahe gekommensein, der leichter auf den Abweg geräth, die Formen der Buch-staben eleganter und dem Auge gefälliger zu machen. Der467 Herausgeber empfiehlt hier das lithographische Institut desHerrn Arnold in Cassel, welches eine für Arbeiten dieser Artgeschickte Hand besitzt. Um den Eindruck des Originals nochvollkommener zu erreichen, wurde durch eine zweite sogenannteTonplatte die Farbe des alten, gebräunten Pergaments wiedergegeben. Die Löcher darin sind durch Striche angedeutet undkönnen zu völliger Täuschung ausgeschnitten werden. Nur dieZiffern sind zugesetzt.
Das Reagens ist an zwei Stellen angewendet worden: vorden Zeilen 10—12 und am Ende bei der Glosse von Christus;die letztere, schon früher richtig gelesen, ward nur deutlicher,dort, wo sich eine schwache, kaum sichtbare Spur von Schriftzeigte, traten ein Paar Buchstaben hervor, die man in dieserAbbildung erblickt, die jedoch ohne Bedeutung zu sein scheinen.
Eine so genaue Betrachtung der alten Handschrift, wie siehier nöthig war, verdiente wohl, etwas bisher Übersehenes zufinden. Die acht ersten Zeilen der zweiten Seite rühren von