.416 DIE DEUTSCHE HELDENSÄGE VON WILHELM GRIMM.
unter der Erde in einem Grabe, das verbrannte Knochen enthielt,gefunden worden sind. Leider sind es jedes Mal nur einige ansich deutliche Buchstaben, über deren Sinn man zwar Ver-muthungen haben kann, wie die hier mitgetheilten, aber keineGewissheit, so dass kein eigentliches Resultat gewonnen wird.Alt sind diese Runen, da sie offenbar noch in die Periodefallen, wo man die Leichen verbrannte, welche, wie wir vorhingesehen, Sjöborg mit dem 7. Jahrhundert zu Ende gehen lässt.Ein Drache von Messing (Taf. 11), der einen geharnischtenRitter im Rachen hält und als Schenkgefäss diente, erinnert anso manche Erzählung in den Heldengedichten des Mittelalters.Zwei hübsche, aus mündlicher Überlieferung gewonnene Volks-lieder sammt den Melodieen sind eine dankenswerthe Zugabe.
[anonym.]
49 DIE DEUTSCHE HELDENSAGE
von Wilhelm Grimm. Göttingen, in der Dieterich'sehen Buchhandlung. 1829.
VI und 425 S. in 8.
Göttingisehe gelehrte Anzeigen. Bd I, 6. 7. Stück, den 14. Januar 1830.
S. 49 — 58.
Untersuchungen über die Entstehung und Fortbildungdes deutschen Epos sind für die Geschichte des menschlichenGeistes so wichtig, als ähnliche über den Homer. Es würdeunbillig sein, allgemeine Anerkennung dieser Behauptung schonjetzt zu fordern; wir begnügen uns einstweilen damit, dassgriechische Philologen, und darunter gerade die geistreichsten,Theilnahme an Untersuchungen dieser Art zeigen, wenigstensauf Resultate derselben zu hören geneigt sind. GegenwärtigesBuch besteht aus zwei Abhandlungen, wovon die erste beiweitem den grössten Raum einnimmt. Sie enthält Zeugnisseüber die deutsche Heldensage durch einen Zeitraum von mehrals tausend Jahren. Dieser geschichtliche Überblick ist einVortheil, dessen sich das deutsche Alterthum allein in diesemßo Grade erfreut, und niemand wird zweifeln, dass die Beob-achtung der Veränderungen, welche die Sage auf diesem langen