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2 (1882)
Seite
394
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394 GEDICHTE WALTHERS VON DER VOGELWEIDE VON LACHMANN.

an das Vaterland bricht überall durch: Ich hän lande vil ge-sehen unde nam der besten gerne war: übel mueze mir ge-schehen, künde ich ie min herze bringen dar, daz im wol ge-vallen wolde fremeder site., waz hülfe mich, ob ich un-rehte strite? tiuschiu zuht gät vor in allen. Von der Elbeunz an den Rin und her wider unz an Ungerlant, so mugenwol die besten sin, die ich in der werlte hän erkant. Und:tugent und reine minne, swer die suochen will, der sol komenin unser lant: da, ist wünne vil: lange mueze ich leben dar inne!Die politischen, vielfach wechselnden Verhältnisse jener Zeitbeurtheilt er frei und ohne Zurückhaltung; Unwille, Vorliebeäussert er nach jedesmaliger Stimmung, doch bitter zeigt er sichnur, wenn er auf die Missbräuche der Geistlichkeit zu redenkommt. Die Gedanken sind überall reinlich und vollständigausgedrückt, die Rede klar, wo sie nicht etwa absichtlich dunkelgestellt ist; und wie zierlich weiss er sich zu fassen! Als dasWiderwärtige ihm unerwartet begegnet, sagt er: des min fröideerschrocken ist, min trüren worden munder, als schlafe derSchmerz in einem freudigen Gemüth, erwache aber und richtesich auf, wenn das Böse zu nahe herantritt. Sich selbst er-mahnt er: diu meiste menege enruochet wies erwirbet guot.Sol ichz also gewinnen, so gang slafen, hoher muot! Dieschöne Gestalt einer Frau vergleicht er mit einem köstlichenKleide, das sie angethan habe, und fügt hinzu: getragene Kleidernahm ich nie (als Sängerlohn) zum Geschenk, dieses aber nahm'2037 ich ums Leben gerne, und dafür möchte ein Kaiser Spielmannwerden. Wer Sittensprüche ebenso trefflich ausgedrückt alsgedacht lesen will, dem empfehlen wir das Lied 37, 24: tumbiuwerlt, ziuch dinen zoum, wart umbe, sich.

Wir würden es dem Leser selbst überlassen haben, dieVorzüge Walthers aufzufinden oder auf die Ausführung inUhlands Schrift verweisen, wenn wir nicht noch eine Bemer-kung daran knüpfen wollten. Das Talent Walthers erregt unsereTheilnahme nicht bloss als merkwürdige Erscheinung einer ge-wissen Periode oder als Hilfsmittel, uns über den geistigenZustand seiner Zeit aufzuklären; es ist an sich so ausgezeichnet,dass wir Vortheil für uns selbst, unmittelbar Genuss und Be-