392 GEDICHTE WALTHERS VON DEK VOGELWEIDE VON LACHMANN.
kaufe und verkaufe. Das ward schon bei der Taufe verboten,wo wir in die Lehre des Evangeliums eingeweiht wurden. Nuleretz in sin swarzez buoch, solche unchristliche Dinge lehrt insein Zauberbuch — und üz im leset siniu rör, ir kardenäle, irm decket — und aus diesem schwarzen Buch müsst ihr, Kardinäle,lesen, erklären seine, des Papstes, Schrift, Briefe. Die Er-klärung von ror durch Schrift ist freilich nur eine Vermuthung,aber Rec. kann dafür eine Stelle aus Carpentier suppl. ad DuCange anführen: arundo scripturam significat, quae eadem siescribitur, sicut sonus vocis lingua. Gloss. vet. ex cod. reg. 7613.Walther braucht das ungewöhnliche Wort, die Zaubercharakteredamit anzuzeigen, vielleicht wäre auch besser: und üz im lister siniu ror: ir kardenäle. — Diu ror (schon der PI. wäre2034 auffallend) auf den stoc, truneus in ecclesia, zu beziehen, scheintdeshalb unpassend, weil dieser gar nicht ein schwankes, dünnesRohr war (in diesem gewöhnlichen Sinn braucht Walther dasWort 8, 31), sondern nothwendig stark, da er so viele Gabenfassen sollte. Gleich hernach (34, 14) kommt er vor, er heissther stoc, und von Zauberei ist dabei keine Rede. In der daraufbezüglichen Stelle aus dem welschen Gast S. 257 ist V. 66statt tuon zu lesen nuo nach dem Dresdner Codex. — Dieschwierige Strophe an Leopold von Ostreich 35, 17 erklärtRec. abermals auf andere Art. Der Herzog hat dem Dichterein Lehen zugedacht, vielleicht im Scherz, mitten im Walde,das solle er anbauen und urbar machen. Walther will aberdort nicht in der Einsamkeit wohnen, sondern unter Menschen,wo der Boden also schon angebaut ist (ze velde). Wald undHeide sei zu preisen für den Herzog, wenn er da jage. Jedemnach seiner Lebensweise. Als Dichter rühmt er doch denWald in einem anderen Lied (64, 14) über alles. — 82, 9.10. Die Worte: minn ist ze himel so gefuege, daz ich si dargeleites bite, glaubt Rec, sind ein Nachklang von WolframsTiturel 46, 2: minne hat üf erde unde uf himele vür got ge-leite. Dadurch würde Lachmanns Vermuthung, dass Waltherseinen berühmten Zeitgenossen in einem Liede nachgeahmt habe(S. 199), eine äussere Bestätigung erhalten. — 106, 15. 16.Das Sprichwort hat auch Vriberg im Tristan (36") sammt der