GEDICHTE WALTHEES VON DER VOGELWEIDE VON LACHMANN. 387
verständlich werden, welche in die Sache einzudringen Lusthaben, und diese zu überzeugen hält er für unnöthig, sie wer-den längst die Trefflichkeit dieser Arbeit eingesehen haben.Zudem gehört Rec. zu jenen, welche einen Einfluss der eigen-thümlichen Natur eines Schriftstellers auf sein Werk gernesehen, einen gewissen Beigeschmack lieben oder wenigstens,wo dies nicht überall angeht, zu sehr achten, als dass sie darinUrsache zu einem Tadel fänden. Mag jemand Recht haben, dersich den Verfasser etwas mittheilender wünscht, etwas wenigerkünstlich oder versteckt in seinen Äusserungen (beide Ausdrückesind nicht ganz treffend und tadeln mehr, als sie sollen, aberetwas davon ist wahr: der Verfasser liebt es, von seinen Ent-deckungen oft nur die Segelspitze zu zeigen, und zumal, weram Ufer steht, muss genau Acht geben und scharf sehen), etwasmehr gerade heraus und weniger neckend; Rec. und wenn erselbst einen solchen Wunsch hegte, will ihm daraus keinenVorwurf machen, obgleich er sich erinnert, dass er hier Rich-ter sein soll. Muss denn alles herausgesagt werden oder jededunkele Stelle erklärt? Ist irgend ein Herausgeber dazu ver-pflichtet und kann er sich nicht gut mit der Hoffnung ent-schuldigen, ein späterer werde auf seiner Grundlage weiterschreiten? Wir empfangen hier den besten, reinlichsten undbescheidensten Text, der unter den Umständen möglich war;in der That, diese Sicherheit, mit der wir ein so vorzüglichesDenkmal durchlesen können, ist ein höchst angenehmes Gefühl. 2028Genauigkeit, Gründlichkeit, Erwägung verschiedenartiger Rück-sichten, sorgsame und gleichförmige Ausführung, das konnteman auch von anderen erwarten, aber wir finden ausserdem eineigenthümliches, angeborenes Geschick zur Beobachtung, dasoft da, wo wir sie nicht erwarten, zu neuen und scharfen Be-merkungen Anlass gibt, Bemerkungen, die nicht selten in derFolge grössere Bedeutung erhalten, als der Augenblick einzu-sehen gestattet. Wer würde z. B. eine Abänderung gegen alleHandschriften, wie 40, 30, vorschlagen, der nicht in einemscharfsinnig entdeckten metrischen Gesetz dazu eine Nöthigungsähe? Der Verfasser hat nicht dahin gestrebt, durch einen Text,der keinen Anstoss gewährt, uns zu blenden und sorglos zu
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