GEDICHTE WALTHERS VON DER VOGELWEIDE VON LACHMANN. 385
fasser sagt auf dem Titel und im Eingang, er habe aus derEdda und Oehlenschläger geschöpft, aber wir haben nirgendseine Spur von Studium der Quellen oder Kenntnis der nordischenSprache gefunden (Oehlenschläger fällt nicht einmal 'ValhahVzur Last), gar wohl aber das Gegentheil. Wie dürfte sich auchjemand, der so klug ist zu behaupten, es gebe nichts Einför-migeres und Langweiligeres, von aller Poesie mehr Entblösstes,als die nordischen Sagen, darauf einlassen. Die Mythologieaus einem modernen Dichter darstellen heisst etwa so viel alsAlexanders Geschichte aus Lebrüns Gemälden entnehmen. Sosehr wir den Dichter achten, so glauben wir doch nicht, dasser wohl thut, alte Mythen, an deren Erklärung Scharfsinn undGelehrsamkeit arbeiten sollen, mit frischen Farben und nachseiner Manier zu übermalen; es mögen leidliche, selbst artigeEinzelheiten zum Vorschein kommen, das Ganze bleibt ein miss-lungenes Unternehmen und unleidliches Zwitterding, und er thutbesser, seine Kraft an Gegenständen zu üben, welche fähig sind,seine und des Lesers Seele ganz zu erfüllen. [anonym.]
DIE GEDICHTE WALTHERS VON DER 202 5
VOGEL WEIDE.
Herausgegeben von Karl Lachmann. Berlin, bey C. Reimer. 1827.XII und 227 S. in 8.
Göttingische gelehrte Anzeigen. Bd III, 204. Stück, den 22. December 1S27.
S. 2025—2038.
Waltbers Werke lad.» zn einer besonderen Bearbeitung
ein. Unter den Dichtern dieser Periode einer der ersten, hater sich bloss auf lyrische Ergüsse seines Geistes beschränkt,dessen grosse Beweglichkeit ihm wie es scheint die Ruhe zuerzählenden Dichtungen versagte. Dazu überall, man kannsagen, in jedem Gedanken, eine leicht erkennbare, scharf aus-gesprochene Eigenthümlichkeit, eine schöne Sprache, endlich dieFähigkeit, uns sogleich zu reizen und, was noch mehr ist, fest-zuhalten; wir wenigstens haben bei dieser Veranlassung sämmt-liche Gedichte abermals mit dauernder, gleich starker Theilnahme
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