Druckschrift 
2 (1882)
Seite
383
Einzelbild herunterladen
 

PETRT AT.FONSI DISCIPLINA CLEEICALIS VON SCHMIDT. 383

weil sie nicht recht am Pflug ziehen wollen, zuruft, die Wölfe 1646sollten sie fressen, einem Wolf aber, der das gehört hat unddarauf Ansprüche gründet, nicht Wort halten will. Der Fuchs,zum Richter erwählt, spricht heimlich zum Bauer: gib mir undmeiner Frau zwei Plenneu, so sollst du deine Ochsen behalten;zum Wolf aber: der Bauer verspricht dir einen Käs, gross wieein Schild, wenn du auf die Ochsen verzichtest. Er lässt denWolf hin- und herlaufen, bis die Nacht eingebrochen ist, daführt er ihn zu einem tiefen Brunnen, zeigt ihm den Mond aufdem Spiegel des Wassers und ruft: das ist der Käse, steigehinab und sättige dich. Der Wolf aber heisst ihn zuerst hinab-steigen. Es hängen zwei Eimer an dem Brunnen, der Fuchsgehorcht und lässt sich in dem einen hinab. Nun folgt die be-kannte Entwickelung: der Fuchs klagt, der Käse sei zu schwer,der Wolf setzt sich hierauf in den anderen Eimer und hebtdurch seine Schwere den Fuchs in die Höhe, der entspringt.Diese Fabel zeigt Zusammenhang mit der grossen Sage vonReinhart Fuchs, welchen auch der Herausgeber angemerkt hat,der nur statt des deutschen Gedichtes des Glichsener die ältereund vollständigere Quelle, den altfranzösischen Roman du Re-nard, zu Rathe hätte ziehen sollen, wo I, 240 ff. nach der Aus-gabe von Meon, welche S. 19 in der Anmerkung citirt wird,das Plierhergehörige vorkommt. Der Zufall führt hier den Wolfzu dem Brunnen, in welchem Reinhart steckt, und er glaubt ihnunten in Gesellschaft der Wölfin zu erblicken. Der Fuchs abermacht ihm weiss, er sei gestorben und befinde sich da untenim Paradies, und reizt ihn durch Schilderungen von den Herr-lichkeiten desselben so sehr, dass er auch Verlangen nach demglückseligen Aufenthalt fühlt, in dem leeren Eimer hinabfährt undden Fuchs in dem anderen Eimer in die Höhe hebt. Obgleich auch i6<trdiese Erzählung über hundert Jahre jünger ist, als die disc. cler.,denn Zeugnisse vom Jahre 1233 reden von dem allgemein be-liebten Roman du Renard, so lautet sie darin doch besser undvollständiger, und es liegt an dem Tage, dass sie nicht dorthergeborgt ist. Merkenswerth bleibt die Thatsache, dass im An-fang des 12. Jahrhunderts Spuren jener Sage sich im Arabischen,finden. [anonym.]