374 THE POPULÄR SUPEKSTITIONS OF SCOTLAND.
und vielseitigeren Inhalts den Vorzug verdienen. So wie esist, lässt es sich nicht vergleichen. Ein gewisser halberzwun-gener Humor mit einer beständigen Anstrengung zum Witz, derin England weniger auffallen mag, weil er mit einem längstdort üblichen, gleichsam nationalen Stil Zusammenhang hat,stört, zumal in diesen Dingen, deutsche Leser vielleicht mehrals billig ist. Wie sehr würde das Buch durch ruhige, unge-suchte Darstellung und einfache Erzählung gewinnen, sollte es54 auch die Hälfte seines Umfangs verlieren. Gleichwohl hat esauch in dieser Gestalt einen Werth, den wir nicht verkennen,im Gegentheil rühmend anerkennen wollen. Der Verfasser(W. Grant Stewart) hat mit Fleiss und Sorgfalt gesammelt.Verbindet man damit, was Walter Scotts auch in dieser Hinsichtreichhaltige Dichtungen und David Stewarts schon mehrmalsaufgelegtes Werk: Sketches of the character, manners and preseutState of the Highlanders of Scotland gewähren, so sind wirim Stande, uns einen anschaulichen und lebendigen Begriff vondem Leben eines der merkwürdigsten Gebirgsvölker zu machen.Der erste Abschnitt redet von dem Geist, der jedenMenschen nach dem Glauben der Hochländer begleitet, gleicheGestalt hat, dieselbe Kleidung trägt, sich mit ihm ins Grab legtund gleichwohl auch gesondert sich zeigt und handelt, mächtigerals der Mensch und zugleich ihm dienend. Man hört, wieunsichtbare Hände Hammer und Säge gebrauchen, einen Sargfür den Geist zu verfertigen. Wenige Tage, ehe der Menschbegraben wird, hält jener seinen Leichenzug. Wer diesennächtlich erblickt, kann hernach dasselbe noch einmal wieder-holt sehen, denn alle Geister ziehen mit, deren sterbliche Ge-nossen hernach die menschliche Leiche begleiten. Es isteine vollkommene grausenhafte Vorgeschichte: nicht bloss dieGestalten, auch die Reden und Bewegungen sind dieselben,und überhaupt scheint in dem Dasein des Menschen nichts, dasnicht in einem aus einer übersinnlichen Welt herübergehaltenenSpiegel seinen Widerschein und Abglanz habe. Nach demTode ist der Geist mit dem Menschen noch inniger verbunden,er bringt seine irdischen Geschäfte zu Ende, doch zu redenvermag er nicht, bevor er in die Höhe gehoben wird, dass der