Druckschrift 
2 (1882)
Seite
364
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364 VAN HET LETTERSCHRIFT DOOR MR. W. BILDERDIJK.

Wenn man in vorliegenden Untersuchungen den Gedankenund Ansichten des Hrn. Bilderdijk aufmerksam nachgefolgt ist,mit welchem Erstaunen liest man eine zu gleicher Zeit ausge-gebene Abhandlung über Dweepery 1 ). Er macht anderen darinschonungslos die härtesten und ungerechtesten Vorwürfe, er willnichts als die einzige, unwandelbare Wahrheit und sonnenklareVernunft, ja er schreit gleichsam darnach, wie ein heftigDurstender, und dann labt er sich selbst mit Einfällen, so selt-sam und phantastisch als möglich, die zu keiner Wahrheitwerden, wenn sie mit Gelehrsamkeit und einem gewissen un-fruchtbaren Scharfsinn ausgeziert erscheinen. Was würde vonseiner Arbeit übrig bleiben, wenn jemand Lust hätte, ihn nach-zuahmen und sie mit jener ärgerlichen Heftigkeit und demvornehmen Blick von oben zu beurtheilen? Uns gefallen indem Munde eines jeden, wenn er auch nicht Homer wäre, dieWorte: ouxot s^cu-fs yjc yctiT]? Suvocjxai.yAuxspiu-spov äXko iSsciilcct [t, 27],und Hr. Bilderdijk mag mit Recht das alte Holland preisen;wir haben mit Theilnahme gelesen, was er gelegentlich überdie echte Aussprache der Amsterdamer und ihren allmählichenUntergang sagt, und wenn er erzählt, dass ihm das Herz auf-gegangen sei, als er einen Alten im reinen Klang noch einmalhabe reden hören. Aber die Herabwürdigung eines nahver-wandten Volkes ist nicht ein Theil jenes vaterländischen Gefühls.63 Gewiss, das Urtheil geistvoller, frei und lebendig beobachtenderFremden hat besonderen Werth, ihr Auge ist nicht durchGewohnheit abgestumpft, die Betrachtung nicht gehemmt vonZuneigung und Abneigung, die sich auf dem Boden-, dem wireinmal angehören, für die nächsten Umgebungen und Verhält-nisse zu entwickeln pflegt; ein Fremder belehrt immer, selbstwo er irrt, wenn er nur wohlwollend und gerecht ist. Alleinwas soll man zu der Weise sagen, womit Hr. BilderdijkDeutschland, seine Gelehrten und Dichter beurtheilt? WelcherDeutsche möchte durch Beantwortung und nähere BeleuchtungVorwürfe und Schmähungen ehren, die Hr. Bilderdijk ganz in

') Sie steht in dem ersten Bande seiner Taal-en dichtkundige Verseheiden-heden, Rotterdam 1820. Eine Sammlung philosophischer und geschichtlicherUntersuchungen über Sprache und Poesie. Der vierte Band erschien 1823.