Druckschrift 
2 (1882)
Seite
360
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360 VAN HET LETTERSCHRIFT DOOR MR. W. BILDERDIJK.

dieselben sind? Ist dem Erfinder d-es Alphabets ausser derEinsicht in die Sprachlaute zugleich eine genaue Einsicht indie Art und Weise, wie sie hervorgebracht werden, zuzuschreiben,so vergrössert sich das Wunderbare der Erfindung noch mehr.Und wie soll man sich denken, dass auf diese Weise jemanddas Lesen lerne? Erst müsste ihm die Theilnahme der Sprach-werkzeuge deutlich gemacht und die ganze Organisation derKehle, Zunge, Zähne in anatomischen Vorlesungen auseinander-gesetzt werden. Und das würde der Lernende doch sogleichwieder vergessen; er würde sich gewöhnen mit einem be-stimmten Zeichen einen bestimmten Sprachlaut zu verbindenund gewiss nicht der Abbildung und dem Commando desBuchstaben gemäss seine Werkzeuge in Thätigkeit setzen. Dasist der Grund, warum dem Rec. die Erfindung des Hrn. Bilder-dijk, als eine überflüssige und unpraktische, auch so unnatürlicherscheint.

Endlich die Stützen der ganzen Hypothese, wie gebrechlichsind sie! Die hebräische Quadratschrift, welche Hr. Bilderdijkals die älteste ansieht, ist, wie Kopp in der semitischen Paläo-graphie (Bilder und Schrift II, 177) bewiesen hat, sehr jungund etwa erst im vierten Jahrhundert nach Chr. aufgekommen.Also mit dem phönicischen Alphabet hätte von Rechtswegender Beweis geführt werden müss.en. Das lateinische aberbehandelt der Verf. ganz willkürlich, indem er, wie es ihm gut-58 dünkt, den Stab bald gelten lässt, bald da wegnimmt, wo ersichtlich einen wesentlichen Theil des Lautzeichens ausmacht,und das alles nach blossen Voraussetzungen, ohne den geringstengeschichtlichen Beweis.

Die andere Abhandlung hat es mit der Ordnung derBuchstaben zu thun. Warum fängt gerade A, B an, warumfolgt F, A oder 0, D usw.? Noch niemand hat bis jetztden Grund davon eingesehen, und dadurch, dass die Alphabete,welche von dem phönicischen abstammen, wenn sie auch imGanzen dieselbe Ordnung beibehalten, doch mehr oder wenigerim Einzelnen abweichen und Veränderungen eingeführt haben,wird jede Untersuchung sehr erschwert. Hr. Bilderdijk glaubtindessen die Regel der Folge entdeckt zu haben und zeigt sie