Druckschrift 
2 (1882)
Seite
359
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VAN HET LETTERSCHKIFT DOOR MR. W. BILDERDIJK. 359

mein Bestreben gieng dahin, die Wahrheit aufzudecken, die reinund unparteiisch ist und sich mit keinen Hirngespinsten undWillkürlichkeiten vereinigen lässt." Er allein scheint sichgleichsam aus einer Sündfluth gerettet zu haben.

Der Verf. ist unerschöpflich im Lobe der von ihm ent-deckten Erfindung und betrachtet sie in jeder Hinsicht alsvollkommen. Diese Buchstaben thun alles, sagt er: sie belehren,sie zeigen, bilden ab, drücken aus. Das R spricht zu demLesenden: lass deine Zunge beim Ausathmen erzittern! dasS: lass sie gegen die Zähne zischen! das T: stosse sie gegendie Zähne! das F: ziehe bei dem Ausgang des Lauts dieUnterlippe ein! das B: schliess die Lippen! usw., ordentlichein militärisches Exercitium. Eine Erfindung, sagt er weiter,die, einmal verloren, jeder richtig und hell sehende menschlicheKopf wieder erfinden musste. "Wie lange hat die blinde Welteinen solchen entbehrt! Denn Hr. Bilderdijk hätte doch darandenken sollen, dass ein Paar tausend Jahre und länger, so langewir mit Sicherheit den Gebrauch der Schrift annehmen dürfen,sie verloren gewesen und wahrscheinlich gleich nach ihrerGeburt auch wieder abgestorben ist. Wo findet sich nur derleiseste Wink, dass man die Buchstaben je anders als blosseZeichen betrachtet und ein einziger Mensch den Befehlengemäss gelesen hätte, die nach Hrn. Bilderdijk das Alphabetbeständig ergehen lässt? Sind nicht auf den ältesten Inschriften,die wir kennen, die Züge so gestaltet, dass man sicher seinkann, der, welcher sie eingehauen oder eingeritzt, habe auchnicht entfernt daran gedacht, sie als Abbildung der Sprach-werkzeuge zu betrachten. Diese neue Ansicht erläutert unsdaher nichts und wird auch jetzt bei niemand, der sich derSchrift bedient, den geringsten Einfluss haben. Man hat durchsorgfältige Beobachtung gefunden, dass bei Bildung einiger 57Buchstaben die Kehle, bei anderen Zunge und Lippe einwirken,und darnach sie eingetheilt, aber das gilt doch nur von vor-züglicher Thätigkeit; alle Sprachwerkzeuge nehmen auf einelebendige und schwerlich ganz genau nachzuweisende Art Theil.Warum ist es so schwer, oft völlig unmöglich, gewisse Lautefremder Sprachen zu erlernen, obgleich die Werkzeuge überall