Druckschrift 
2 (1882)
Seite
358
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358 VAN HET LETTERSCHRIFT DOOR MR. W. BILDERDUK.

die Zunge zu erkennen (der eben so deutlich noch tausendandere Dinge bezeichnen könnte), während jener in allen semi-tischen Alphabeten, wie wir aus der vergleichenden Tafel beiKopp (Bilder und Schrift II, 388) ersehen, vorhanden ist und

55 offenbar zum wesentlichen Charakter des Buchstaben gehört; jagerade in der ältesten babylonischen Schrift ist der Hakenunten ganz klein. Dagegen beim T gilt dem Verf. der Stabviel, weil das gerade zu seiner Meinung passt. Wie kann manauf diesem Wege erkennen, dass das lateinische B und hebrä-ische D nur eine und dieselbe Figur sind! Bei dem A und Hmachen die Stäbe wieder die Hauptsache aus, dagegen beimX wird der Querstrich für Nebensache gehalten, wiewohl eroffenbar einer von jenen Hauptstrichen ist.

Ob nun, ungeachtet solcher der einfachsten Betrachtungin die Augen fallender Bedenklichkeiten, diese neue Ansichtvon der Gestalt der Buchstaben vielen ansprechend und ein-leuchtend (wir wollen nicht sagen überzeugend, wie Hr. Bilder-dijk selbst glaubt) sein wird, mag dahin gestellt bleiben. SollRec., der diesen Erfolg gar sehr bezweifelt, seine Stimme ab-geben, so scheint ihm wohl Rücksicht zu verdienen, was ineiner so dunklen, ungewissen Sache ein geistreicher und ge-lehrter Mann für eine Meinung hegt, aber diese Meinung selbsthat so wenig Ansprechendes für ihn, deucht ihm so fremd undseltsam, ja unnatürlich, dass er das Ganze für nichts als etwaeinen artig und witzig durchgeführten Einfall halten kann.Man muss sich aber verwundern, wenn man sieht, wie Hr.Bilderdijk als ausgemachte, zweifellose Wahrheit vorträgt, wasihm höchstens eine wahrscheinliche Vermuthung sein sollte,zumal wenn man sich an die heftigen, fast bitteren Äusserungenin der Vorrede erinnert. Nur etwas davon, was er gleich imEingang sagt, wollen wir anführen:in einer Zeit, wo die all-gemeine Sucht, in den Wissenschaften zu glänzen, die allesverdüsternde und betäubende Schwärme von Halbwissern undihren Nachbetern nothwendig ins Unendliche und in allerleiGestalten vervielfältigen muss, sah ich es von Jugend auf füreine Pflicht an, der Benebelung eines blinden Eigendünkels

56 und ihres abgeschmackten Anhangs entgegenzuarbeiten, und all