VAN HET LETTERSCHRIFT DOOR MR. \V. BILDERDIJK. 355
nach dieser Ansicht eigentlich keine Buchstaben geben, weshalbdenn auch der Verfasser jener (historisch unbegründeten) Ansichtzugethan ist, welche die ältesten Alphabete nur aus Consonantenbestehen lässt. Natürlich nimmt er nur ein einziges Alphabetan, von welchem alle übrigen abzuleiten sind. Diese aber habenhäufig das Ursprüngliche entstellt, woran theils die Flüchtigkeitder Schreiber, die, von einem Zug zum anderen übergehend,die Feder nicht absetzen wollten, theils die Neigung zur Ver-zierung Schuld hat. Die Keilschrift z. B. betrachtet der Verf.als aus einem solchen Streben nach Gleichförmigkeit entstanden.
Die Behauptung selbst wird an zwei Alphabeten, demhebräischen und lateinischen, ausgeführt, weil sie Hrn. Bilderdijkdie ältesten und ursprünglichsten scheinen. Das lateinischestelle das altgriechische reiner und vollkommener dar, als dasgriechische, wie wir es kennen. Mit den Gutturalbuchstabenwird der Anfang gemacht. Da die Kehle eine Höhlung ist, sobildet das C am einfachsten das Sprachwerkzeug ab, dashebräische D kehrt das Zeichen nur um, so wie das K dadurchentsteht, dass der Stab (Standarte sagt der Verf. im Hollän-dischen) vor das C gestellt wird. Gleichfalls ist p dasselbeBild der Kehle, jedoch mit zugefügtem Stab. Bei demG wird nur die Wurzel der Zunge angehängt, und das hebräische5 besteht aus einem 3, mit welchem ein kleines ^ als Zeichender Zunge verbunden ist.
Es folgen die Zungenbuchstaben. Hier ist 'p die Grund- 52gestalt und bildet die Zunge ab, als einen langen, biegsamen,sich schlängelnden Körper; nur oben und unten ist der Strichetwas stärker gezogen. Mit dem lateinischen L wird Hr. Bil-derdijk auch fertig: unten der Querstrich ist die Hauptsache .und natürlich nichts Anderes, als die Zunge selbst, oben derStrich gilt nichts und ist bloss der zugesetzte Stab. Bei demR krümmt sich die Zunge, das stellt Resch vor: ""), wozu imlateinischen Buchstaben nur die Standarte kommt. Späterhinwird noch angemerkt, dass L und R eigentlich nur ein Buch-stabe seien. Durch den Stoss der Zunge gegen die Zähneentstehen die Zahnlaute, die Abbildung davon ist deutlich indem lateinischen T, dem hebräischen Daleth ~ und dem kleinen
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