Druckschrift 
2 (1882)
Seite
352
Einzelbild herunterladen
 

352 DEN AELDRE EDDA, OVERSAT VED FINN MAGNUSSEN.

er schweift gern nach verschiedenen Richtungen aus und kanneiner blossen Vermuthung oder einem wenn auch sinnreichenGedanken, wozu besonders die mythischen Lieder bei ihrerdunkelen Bedeutsamkeit leicht Anlass geben, nicht widerstehen.Hätte er den Kreis der Betrachtung enger abgeschlossen, sowürde das Ganze gleichförmiger und reinlicher ausgefallen sein,gewiss auch ansprechender, zumal für das Publikum, das Hr.;38 Finn Magnussen im Sinne hat. Mehr als eine schwache Ver-muthung ist es zum Beispiel nicht, wenn er annimmt, dass dieVöluspä bei dem Sonnenfest und Johannisfeuer sei vorgesungenworden, oder dass Vidar eine Wasserhose, Typhon, bedeute,bei welcher Gelegenheit drei enggedruckte Seiten mit Beschrei-bungen dieses Meteors angefüllt sind. Zu Grimnismäl wird einpoetischer Kalender der Heidenzeit aufgestellt, und Rünacapitulibegleitet eine 20 Seiten lange Abhandlung, welche des Ver-fassers Ansicht über Entstehung und älteste Bildung der Runenvorträgt. Am meisten und liebsten verweilt er bei Verglei-chungen der Edda mit asiatischen Mythen und Sitten, und-wiewohl das alles viel Raum einnimmt, muss er doch überMangel daran klagen und auf ein besonderes Werk verweisen,welches, als Seitenstück zu vorliegendem, die Eddalehre inihren mannigfaltigen Beziehungen darstellen soll. Hätte ernicht besser gethan, alles dafür zurückzuhalten, dagegen aberdie beiden Lieder Rigsmäl und Grottasaungr, welche ganzeigentlich zur Edda gehören, aufzunehmen? Wir müssen dieAuslassung derselben tadeln und wissen sie nicht zu erklären.Die Anmerkung in der Vorrede des ersten Bandes S. XVIIIgibt doch eigentlich keine Auskunft darüber, auch steht Rigsmälin der schwedischen Übersetzung.

Werth und Einfluss gegenwärtiger Arbeit erkennen wirin dem Nutzen, den sie dem Studium des Originals gewährenwird. Es sind Stufen in den Felsen gehauen, auf welchen wirzu der reinen Quelle mit mehr Sicherheit und Bequemlichkeithinabsteigen können. Ein allgemeineres Eindringen dieserPoesie und eine Theilnahme des grösseren Publikums erwartenwir nicht. Wir denken gewiss nicht geringer über ihreninneren Gehalt, als Hr. Finn Magnussen, einige dieser Edda-