FÄRÜISKE QUADER, OVERSATTE AF LYNGBYE. 345
Kühnheit der Gedanken und das Überraschende der Wendungen.Die Erzählung ergiesst sich hier in einem ruhigen, gleich-massigen, etwas breiten Fluss, und man scheint so sehr desEindrucks der Fabel selbst auf die Gemüther sicher zu sein,dass man auch nirgends das Bestreben bemerkt, zu überraschen,oder die Neugierde zu spannen; jedoch ist die Darstellungüberall natürlich und angemessen. Das Lied von Quörfinunterscheidet sich von den übrigen durch eine gewisse Leb-haftigkeit, und wahrhaft poetisch ist darin die Beschreibung dernächtlichen Wirthschaft der Riesen und Zwerge. Auch mancheepischen Anklänge haben sie mit den Kjämpeviser gemein.Z. B. die Jungfrau lächelt unter dem weissen Linnen; che dieHelden eingehen, ziehen sie ihr Kleid über die Schulter; derTrauernde wird schwarz wie die Erde; die Berufung: „das istmir in Wahrheit gesagt!" oder „so geht die Sage!" Auch derName Sjürur sneare (S. 139) ist das dänische Sivard snaren- 1425svend. Eddisch ist der Spruch (S. 32): „die Nornen (Nodnar)haben mir das bestimmt!", „niemand kann dem Tod entfliehen!"und der tiefpoetische Ausdruck (S. 464): „die Zwergensprache(das Echo, in den Kenningar) sang bei den Schwertschlägenin jedem Berg". Überraschend dabei eine Übereinstimmung inunserem deutschen Gedicht von Ecken Ausfahrt, wo es Str. 149heisst: „ihr Schlagen war so stark, dass es Berg und ThalStimme gab". Jene Warnung: „der junge Wolf (Bächer desgetödteten Vaters) wächst auf mit scharfem Zahn im Munde!"scheint im ganzen Norden verständlich gewesen zu sein, nichtnur hier (S. 62) und häufig in den Kjämpeviser, auch in deralten Edda (II, 217) und in der Volsungasaga (Cap. 30) kommtsie vor. — S. 458, Str. 63 heisst es von Sigurds Mannen: „siewussten nicht, wo sie waren, im Himmel oder auf Erden";ähnlicher Weise sagt Sigurd zu Reigin (Volsungasaga, Cap. 28):„du wusstest (vor Schrecken) nicht, was Himmel oder Erdewar". In dem entsprechenden Eddalied fehlen diese Worte.Das Gleichnis: „froh, wie der Vogel beim hellen Tag" (S. 122)haben wir gerade so in der Vilkinasaga (Cap. 39) auf Vidgaangewendet wiedergefunden, aber auch einer unserer Minne-sänger des 13. Jahrhunderts kennt es: „vröuwet sich min