FÄRÖISKE QUADER, OVERSATTE ÄF LYNGBYE. 341
machen konnte. Da er den Werth dieser Überlieferungenwohl erkannte, bemühte er sich deshalb noch weiter und, umdie Lieder, deren jener Alte sich nicht mehr vollständig erin-nerte, vervollständigen zu können, wendete er sich mit schrift-licher Bitte an Hrn. Pfarrer Schröter auf Süderö und HrnAmtsprobst Hentze. Beide ergänzten nicht nur bereitwillig das 1421Fehlende, sondern schickten auch ganz neu Aufgefasstes undendlich ein Verzeichnis aller noch jetzt gangbaren, aus alterZeit herrührenden Lieder. Dieses ist hier S. 16-—20 abgedrucktund besteht, wenn man die einzelnen Stücke, aus welchen einFabelkreis zusammengesetzt ist, wie billig mitzählt, aus 178 Lie-dern. Welch ein Reichthnm von Poesie lebt hier auf engemRaum unter einem kleinen Volk! Wie thut sich das natürlicheVerlangen des Menschen darnach kund! Dabei muss manbedenken, dass einige von grossem Umfang sind, wie z. B. dasLied von Brynhild allein 220 vierzeilige Strophen enthält.
Auch neue Lieder dichten die Bewohner der Färöer aufBegebenheiten, die ihnen merkwürdig scheinen, besondersSpottlieder. Soll ein solches Lied öffentlich gemacht, d. h. alsTanzmelodie eingeführt werden, so richtet man es ein, dass derHeld davon, ohne es zu wissen, gegenwärtig ist. Zwei hand-feste Bursche fassen ihn dann, wenn der Tanz anhebt, bei denHänden, und so muss er das ganze Lied, er mag wollen odernicht, durchmachen. Findet es Beifall, so wird es dann allge-mein aufgenommen. Die alten Lieder heissen Qveäir (Quader),die neuen Taattir, welches von dem isländischen Thättr, Bruch-stück, abstammend ein kürzeres Lied bedeutet.
Gewiss wäre ein Abdruck sämmtlicher bereits aufgefassterLieder erwünscht, indes erkennen wir es dankbar an, dasskönigliche Unterstützung es möglich gemacht, das Wichtigstevorerst durch den Druck zu sichern und zu verbreiten. Dem-nach erhalten wir die Lieder von Sigurd und dessen Geschlecht,einen Theil nach Hrn. Lyngbyes, einen anderen nach Hrn.Schröters Aufzeichnungen; doch die von letzterem nachgesen-deten Stücke hat Hr. Lyngbye erst sorgfältig und nicht ohneMühe geordnet und gereinigt. Von ihm allein rührt auchüberall die dänische Übersetzung, die ohne Zweifel ein bedeu-