336 OM EUNESKRIFTENS OPRINDELSE AF BREDSDORFF.
das gothische H und O habe man deshalb nicht beibehaltenkönnen, weil es für die nordische Art zu schreiben nicht wohlmöglich gewesen wäre, sie nachzubilden, ohne dass eine grosseÄhnlichkeit mit anderen Buchstaben entstanden wäre, weshalbman ihnen habe eine andere Gestalt geben müssen. Dass inden Buchstaben U und TH das gothische und runische Alphabetgegen das griechische und lateinische übereinstimmen, ist vonanderen schon dargethan; auch sonst haben wir unter denrichtigen Bemerkungen des Hrn. Bredsdorff keine neue gefunden.Die Verwandtschaft aber des gothischen O und V mit derdeutschen Othil- oder Wänrune hat er nicht gekannt, überhauptnichts von den angelsächsisch - deutschen Runen. — Einenschlagenden Beweis gegen seine Hypothese, welcher in dergrösseren Vollständigkeit des gothischen Alphabets liegt, be-rührt Hr. Bredsdorff kaum und hält es für unnöthig, dabeiweitläuftig zu sein. Man habe fortgeworfen, was man nichtgebraucht, und die unvollkommene Art zu schreiben (das Ein-schneiden der Buchstaben in Holz) nur mit wenigen Zeichensich zu befassen erlaubt. Als hätte man sich nicht das E G P V,wofür doch Ulfilas Zeichen liefern konnte, durch punktirteRunen, die bereits auf einem der ältesten Steine vorkommen,verschafft! Und dann, warum unter den Runen für das R sogarzwei Zeichen? Das zweite R, die Yrrune, meint Hr. Breds-dorff, habe man deshalb neu hinzu erfunden, weil das andere, dieReidrune, dem B zu ähnlich gesehen und sonst leicht eine Ver-wechselung vorfallen können. Beide werden aber neben einander1032 gebraucht und sind in der Bedeutung nicht völlig gleich; auchglaubt der nicht an solch eine Sorgfalt, Missverständnisse ab-zuwenden, der sich erinnert, wie nachlässig so mancher Runen-stein geschrieben ist. An die eigentümliche Ordnung derRunen, von welcher das gothische Alphabet nichts weiss, wirdnirgends gedacht.
Hat also vor Ulfilas der Norden keine Schrift gehabt? Dasmöchte Hr. Bredsdorff nicht gerne annehmen, auch nicht gernedie Tradition Verstössen, wornach Odin die Runen selbst mit-brachte. Den Odin erst zu des Ulfilas Zeit, am Schluss des4. Jahrhunderts, ankommen zu lassen, ist abermals bedenklich;