322 WESTENDORP, HUNEBEDDEN.
Evangelienharmonie, welches, da bis jetzt nur Bruchstücke da-von gedruckt sind, wahrscheinlich Hrn. Westendorp noch nichtbekannt geworden ist, in welchem er indessen nicht das ge-ringste Celtische wird entdecken können. — S. 255 macht erdie an sich richtige Bemerkung, man müsse die Sprache Isidors,Otfrieds usw. nicht die fränkische nennen, es ist die althoch-deutsche, wenn er aber die bekannten Malbergischen Glossen alsdas Einzige erklärt, was Licht über die eigentliche fränkischeSprache gebe, und eine Anzahl daraus gezogener Wörter anführtzur Überzeugung, dass es weder Niederdeutsch noch Hochdeutschnoch Niedersächsisch sei, so muthet er den Lesern zu viel zu,da aus diesen völlig entstellten, vereinzelten Wörtern schwer-'lieh jemand einen Sinn bringen, noch weniger einen Begriffvon einer Sprache bekommen wird. Muss die deutsche Gram-matik diese Malbergischen Glossen ganz aufgeben, so werdensie schwerlich für historische Untersuchungen ein Resultat liefernkönnen.
Wir schliessen mit einem Einwurf gegen des Verf. Hypo-these, der uns äusserst natürlich vorkommt. Sollen die rundenGrabhügel von einem ganz anderen Volk, das den Odin ver-ehrte, herrühren und einen Gegensatz zu den Hiinenbettenbilden, was wäre einfacher als der Schluss, dass sie sich über-all, wo wir Sitze der Germanen mit Sicherheit annehmen, vor-finden müssten? Davon zeigt sich aber gerade das Gegentheilund eine sehr merkwürdige Analogie mit den Hünenbetten, in-dem die Grabhügel etwa innerhalb derselben Linie in Nord-deutschland vorkommen, dagegen in Süddeutschland (in denAnmerkungen S. 19 steht, ohne Zweifel durch einen Schreib-710 fehler, der aber durchaus verbessert werden muss, nördlich fürsüdlich) selten und die Paar Beispiele noch ungewiss sind.Wäre nun die Vermuthung nicht viel ansprechender, dass beides,Hünenbetten und Grabhügel, von einem und demselben odereinem verwandten Volke herrührte und einen Unterschied derZeit oder des Standes anzeigte? wie ja auch im Norden an-erkannt nach Verschiedenheit des Standes die Grabstätten ver-schieden eingerichtet wurden; nur für Höhere z. B. waren aus-gemauerte Grabkammern. Noch mehr Gewicht erhält die Ver-