WESTENDORP, HUNEBEDDEN. 315
Hr. Westendorp folgende Punkte aus. 1. Die von jeher herrschendeAnsicht, welche die Hünenbetten als Werke undenklicher Zeitenbetrachtet, auch in der Volksmeinung ausgesprochen, wornachRiesen die Erbauer derselben waren. (In der S. 168 angeführtenStelle aus dem Otnit heisst ris in keinem Falle gigas, und inder aus Melis Stocke ebendaselbst heisst ries nichts Anderesals stultus; beide gehören also durchaus hicht hierher.) 2. DieRoheit der Arbeit, es sind rauhe unbewerkte Felsenblöcke;nirgends Spur einer Inschrift. 3. Die äussere Form gibt Zeug-nis von hohem Alter. Die Hünenbetten, glaubt der Verf., seienHäuser, dem abgeschiedenen Geist erbaut, weshalb das Volk 701noch jetzt wähne, sie.würden Nachts von Geistern bewohnt.Die meisten Völker hätten ein solches Haus für den Geist alsetwas sehr Nothwendiges betrachtet, und so gelangt er zu demSatz, dass alle Völker, die sich einigermassen aus der Wildheitherausgearbeitet, die Grabstätten ihren Wohnungen nachgebildethätten. Dieser Satz wird viel Anfechtung erleiden, und es istschwer darauf bauen, weil man nicht weiss, bei welchem Gradvon Cultur diese Eigenthümlichkeit aufhört, den Verf. aberleitet er zu dem weiteren Ausspruch, dass sich in den Hünen-betten eine Nachahmung fremder und seltsamer Bauart kundgebe. Indem sie nämlich die platten Dächer Asiens und Afrikaszeigten, fielen sie dem grauen Alterthum anheim, das in dieersten Zeiten von Europas Bevölkerung hinaufsteige. Wie ge-neigt Rec. überhaupt ist, den Hünenbetten ein hohes Alter zu-zugestehen, so scheinen ihm diese Schlüsse doch sehr gewagtund zu bedenklich, als dass er etwas darauf stützen möchte.Die Idee, einen verbindenden Stein als Decke über zwei andereaufrechtstehende zu legen, bietet sich so natürlich dar, dass wirdeshalb nicht an die platten Dächer südlicher Himmelsstrichezu denken brauchen. Auch kommt hier einiger Widerspruchmit früheren Behauptungen vor: baute das Volk den GeisternWohnungen den seinigen ähnlich, so lebte es auch selbst infesten, solid gebauten Häusern und war kein nomadisch-wildes.4. Die Vergleichung mit anderen alten Denkmälern dieser Artverleiht den Hünenbetten das höhere Alter. Einleuchtend scheintuns in den Drenthischen Monumenten die Unterscheidung von