Druckschrift 
2 (1882)
Seite
301
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AF SAXOS OG SNOEROS KILDER VED MÜLLER. 301

sagen genommen, die in dem 12. Jahrhundert aus einer Mischungvon deutschen Gedichten und alten dänischen Erinnerungensich gebildet hätten; das Ganze aber sei dem Norden fremdgewesen. Eine Angabe, die genauere Prüfung und weitereUntersuchung erfordert, weil sie nicht ohne Einfiuss auf die An-sicht von der Originalität der eddischen Lieder, die den deut-schen Fabelkreis und eben auch diese Sage von Jormunrekrberühren, bleiben kann. Eine Sage von König Snio, die andereChroniken doch erzählen, hat Saxo nicht, war sie ihm bekannt,so hat er sie aus einer Art von kritischem Gefühl ausgeschlossen.Was die Auswanderung der Longobarden betrifft, so hält derVerf. Saxos Beschreibung davon, obgleich Paulus Diaconus,selbst ein Longobarde, etwas Ähnliches berührt, insoweit fürunbegründet, als sie nicht aus echten nordischen Quellen ge-schöpft sei; dagegen scheint es ihm auch nicht ausgemacht, waszumal deutsche Schriftsteller behaupten, dass man den Auszugder Longobarden aus Scandinavien, namentlich aus dem nörd-lichen Jütland bestimmt leugnen müsse. Da in dieser Angabean sich selbst nichts Ungereimtes liege, so dürfe sie nicht ver-worfen werden. Saxo, glaubt der Verf., habe die Nachrichtaus deutschen, eben durch Paulus Diaconus veranlassten Sagenerhalten, die im 11. oder 12. Jahrhundert nach Dänemark ein-gedrungen wären. Thorkills Reisen nennt der Verf. ein wahresGegenstück zu den Reisen des Arabers Sindbad; indem er darintheirs eine moralische, theils eine religiöse Absicht erblickt, be- 410trachtet er sie als eine Dichtung, aus welcher auch nicht einZug für die Geschichte zu gewinnen sei. Bei Ragnar Lodbrokwird gezeigt, dass Saxo aus vier verschiedenen Quellen seineErzählung zusammengesetzt, die er vergeblich zu einem Ganzenhat verbinden wollen. Wir haben nur ausgehoben, was amdeutlichsten das Verfahren erkennen lässt, welches der Verf.angewendet hat. Sowohl die bejahende als verneinende Parteiwird manches für sich finden, ebensoviel gegen sich; möchtenbeide durch diese Schrift zur Einsicht geführt werden, dassman Saxos Werk nicht beurtheilen kann, wenn man sich nichtgenau die Lage vorstellt, in welcher er schrieb. Fast jede derSagen, woraus es zusammengewebt ist, hat ihr eigenthümliches