Druckschrift 
2 (1882)
Seite
297
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AF SAXOS OG SNORROS KILDER VED MÜLLER. 297

davon entfernt, dessen geistige Kraft und poetischen Werth zuverkennen, gleichwohl ist auch er zum Verneinen geneigt und.gelangt zu einem Resultat, welches den acht ersten Bücherndes Saxo allen geschichtlichen Werth raubt. Er nimmt an rSaxo habe echte, schriftliche Quellen nicht nur nicht gesucht,sondern sogar von sich gestossen, seine Quellen seien alte Aben-teuer und Gedichte gewesen, die er von Dichtern und vomVolk geborgt und nach Sage und Volksmeinung und, wo dieseschwiegen, nach Gutdünken und Willkür zusammengesetzt habe.Quellen dieser Art hält er aber in Beziehung auf die Geschichtefür völlig werthlos. Recht charakteristisch ist der Ausspruch,dass der Untergang jener von Carl dem Grossen gesammeltendeutschen Gedichte, wenn auch ein grosser Verlust für diePoesie, als ein Gewinn für die Geschichte zu betrachten sei.

Hr. P. E. Müller gehört zu keiner von beiden Parteien; mitanderen Worten: er erkennt in jeder Richtung das Wahre nebendem Falschen. Er gibt zu, dass die Quellen, aus welchen Saxoschöpfte, durch Zusätze und Veränderungen von Jahrhunderten 405bereits getrübt waren und mehr oder weniger ihre Wahrheitvon der geschichtlichen sich entfernt hatte; ihm ist daher dasDasein mancher dänischen Könige, die Saxo anführt, zweifei-.,haft oder völlig unbegründet, so wie er Ordnung und Folgederselben nicht anerkennt. Er nimmt ferner an, Saxo habe dieSagen nach seiner nothwendig beschränkten Ansicht einge-teilt und zusammengestellt und diese Ansicht könne leichtfalsch und unstatthaft gewesen sein. Dagegen behauptet er aufder anderen Seite, dass Saxos Quellen nicht durchaus eines ge-schichtlichen Grundes entbehrten und, weil nicht alles, was eraus der heidnischen Zeit erzähle, wahr sein könne, man deshalbnicht*) einer jeden seiner Angaben den Glauben absprechenmüsse. Er leugnet eine absichtliche und willkürliche Ver-fälschung und erkennt sogar Spuren von Kritik, zwar einer ansich schwachen und haltungslosen, die aber Zeugnis von einemredlichen Willen gibt. Er sieht in Saxos Werk eine Anzahlechter altdänischer Sagen erhalten, deren Zeitalter gewisslichnicht kann angegeben werden, die aber aus inneren Gründen

*) [Zusatz im Handexemplar.]