FÜRST WLADIMIR UND DESSEN TAFELRUNDE. 275
sie dadurch einen gewissen Anflug und Schein von wirklicher 621Geschichte. In dem ersten Lied will der Bolgare Tugarin,Schlangensohn, Wladimirs Gattin Lepa mit Gewalt holen undkann von niemand besiegt werden, als von einem, der lebt, ohnegeboren zu sein. Das Räthsel wird gelöset, wie in der Sagevon Macbeth, Rodgai ist aus der Mutter Leib geschnitten undtödtet den Riesen. Ilja in dem 3. und 6. Lied ist der Dummlingdeutscher Märchen, eine verborgene, gewaltige Kraft, die erstspät zum Durchbruch kommt; dreissig Jahre sitzt er unthätigund unbehilflich, da erhebt er sich, tödtet den von allen ge-fürchteten Feind mit einem Pfeilschuss, der durch neun Baumästeschlägt, trinkt den Wein aus einem Eimer oder fasst seinenGegner um die Hüften, wirft ihn in die Luft und fängt ihnwieder. Er ist im Charakter mit dem Siegfried des Nibelungenliedesverwandt, so auch der trotzige Knabe Wassily, der die Vögte,die ihn greifen wollen, fortjagt. In dem achten Liede kämpftder Sohn Mstislaw gegen Wladimir, seinen Vater, ohne ihn zukennen, wie im Hildebrandslied. Tschurilo im dritten Liedegleicht einem jungen Riesen in dem deutschen Märchen (Grimm,Sammlung Nr. 90), er zerreisst sechs Häute, wie morsches Linnen,und bricht wie jener einen Eichbaum sammt den Wurzeln ausder Erde, um damit zu kämpfen. Sein Ross duldet ihn allein,wie das Ross Grane den Sigurd. Rodgai wirft mit solcherKraft einen Stein, dass er wie ein Vogel fliegt und gar nichtwieder herabkommt, gerade wie dort in den deutschen Er-zählungen (Nr. 20) prahlerisch einer dasselbe thun will, aberheimlich wirklich einen Vogel statt des Steins dazu nimmt. Fürdie Verwandtschaft der epischen Dichtung sind solche einzelne
Züge auch von Werth.
[anonym.]
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