260 EDDA SAEMUNDAR II.
dänischen Heldenliedern bemerkt ist, in verschiedenen Zügeneine Annäherung zu der deutschen; dennoch sind beide Ge-dichte in ihrer Grundlage wieder verschieden (vgl. auch dasGlossar v. rynendr). — S. 489. Anm. 5 ist eine sehr wunder-liche und ganz gewiss unbegründete Vermuthung (denn sie stütztsich auf eine falsche Erklärung von halfo fremr) vorgetragen:dass Eyvind Skaldaspiller Verfasser von Hamdismäl undanderen eddischen Liedern sei. Der Text ist nicht selten ver-wirrt und verderbt, und manches Unvollständige, Abgebrochene,selbst das Einrücken prosaischer Zwischensätze, wo die Er-innerung nur noch dürftig den Zusammenhang behalten hatte,lässt sich durch die Auffassung aus mündlichen Überlieferungenerklären. Als später, wenn auch nicht verdächtig, wird dasdritte Gudrunenlied und die Atlaquida bezeichnet. Zuder Wolsungasaga und der jüngeren Edda ergibt sich das merk-würdige Verhältnis, dass diese beiden mehr und weniger vondiesen eddischen Liedern vor sich hatten, nämlich jetzt ganzverlorene gleich alte oder noch ältere; dagegen ist die Wolsunga-saga an anderen Stellen kürzer oder hat den rechten Sinn nichtverstanden. Genau also dieselbe Natur und Eigenthümlichkeit,welche alle epischen Dichtungen zeigen. Die Mythologie ist(wie beim Homer) zurückgedrängt, blickt aber doch verschiedent-lich durch; S. III der Vorrede ist einiges darüber zusammen-gestellt.
Eine eigentliche Erklärung der alten Saga ist nicht ge-geben, konnte auch nicht wohl als eine zu weit führende Unter-suchung in dem Plane liegen. Insofern hat der erste Bandder Edda einen bestimmten Vorzug, wo Skule Thorlaciusdie Hauptpunkte der nordischen Mythologie berührt und erörtertbat; diese Abhandlung, wenngleich nicht erschöpfend, gehörtdoch mit zu dem Besten, was über diesen Gegenstand bis jetztgeschrieben ist, und man fühlt überall, selbst in der gar nichtleichten Schreibart den scharfsinnigen und gedankenreichenGeist. Hier ist bloss die vorhin besprochene Müller'sche Hypo-these angeführt, dass die gemeinschaftliche, aus den asiatischenStammsitzen mitgebrachte Grundlage in dem Norden sowohl alsin Deutschland unabhängig sich ausgebildet; dort habe man