246 RARLAAM VON KÖPKE UND WIGAI.OIS VON BENECKE.
Kirche oder des Palastes (aula, atrium, vestibulum, peri-bolus, pastophoriuDi, doma) bezeichnend (gl. mons 337.341. 361. 362, Symb. 202. 231. 234). In diesem Sinn sprichtLamb. schafnab. (p. 128) von einem atrium palatii. Es warnatürlich, dass in der Kirchenbaukunst die altdeutschen, viel-leicht an das abgeschworene Heidenthum mahnenden Ausdruckeden fremden weichen mussten; einen solchen mag selbst hof(atrium bei Notker 95, 7) gehabt haben. Eine sorgfältigeUntersuchung der deutschen Bauwörter nach Zeiten und Völker-schaften wäre gewiss fruchtbar; dergleichen sind alh, gothisch2090templum, altsächsisch alah; rohsn, gothisch atrium; razngothisch domus, isländisch rann; hochdeutsch folgende:gadam (Gaden), flezzi (atrium, isländisch flet), zimbar(Zimmer, timbr) und andere. Keminate ist weit jünger undentweder lateinischen Ursprungs (der Heizbarkeit wegen voncaminus), oder slavischen (polnisch kamienica, steinernesHaus); seine damalige Bedeutung und Identität mit gademsetzt der Herausgeber des Wigalois ins Klare.
Zu den S. 433 — 510 enthaltenen, wichtige Varianten mit-theilenden und besonders dunkele Stellen beleuchtenden An-merkungen ist uns beim Durchlesen ein und das andere ein-gefallen, was wir hier mittheilen wollen. Z. 57 „sit ich michguotes alrerst versan" wiederholt sich 976. 6855 und heisstsoviel als: von Kindesbeinen auf, sobald ich unterscheiden lernte,was Gut und Bös sei. Liechtenstein (Man. 2, 26a) „sit dazich verstuont beidiu übel und guot." — Z. 341 „biderbeund frumech" steht ebenso zusammen in Wernhers Maria 4133und Wigamur 2517. — Z. 788. Bedenklich scheint die Aus-legung der Worte: „geworht ane zungen" durch: Dichter-gebilde abgerechnet. Von einem Abrechnen, Ausnehmen hatder Text nichts, denn ane steht nicht vor geworht, sondernvor zungen, ane kann aber auch nicht soviel wie an und derSatz: gedichtet mit der Zunge, d. h. Poesie, Sprache bedeutensollen, denn in dieser Construction wird mit erfordert (Z. 782.4471). Entweder also müssen die Worte „geworht anezungen" aussagen: nicht mit der Zunge (durch die Zunge,nämlich Sprache, Poesie) geschaffen, folglich: wirklich lebend,