Druckschrift 
2 (1882)
Seite
239
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BARLAAM VON KÖPKE UND WIGALOIS VON BENECKE. 239

Märchens und ihrer Verbindungen unter einander bewirkt, dassdie vielen schweren Abenteuer, welche der Held auszurichtenhat, ihm doch zu wenig Mühe machen und der für ihn günstigeAusgang beinahe jedesmal vorauszusehen ist. Der Dichter hatindessen den (in unseren Augen wenigstens) undankbaren Stoffmit seltener Geschicklichkeit zu behandeln verstanden und ihmso viel abgewonnen und von anderen Seiten her vergütet, dassgewiss, wer nur dieser alten Sprache kundig ist, das Ganzevon Anfang bis zu Ende mit besonderem Wohlgefallen durch-lesen wird.

Der Herausgeber des Wigalois bringt es durch die geschickteZusammenstellung mehrerer Umstände (Vorrede VIII XIV)zur höchsten Wahrscheinlichkeit, dass Wirnt (die ältere Formdieses Eigennamens Wirant ersehen wir aus einem Diplombei Neugart No. 585 vom Jahre 889) von Grafenberg imersten Viertel des 13. Jahrhunderts gedichtet hat, ungefähr um1212 oder einige Jahre später. Gebürtig war er aus Franken,aus dem noch bestehenden, unweit Nürnberg und Erlangenliegenden Städtchen Grafenberg, damals wohl unter meranischerBotmässigkeit. Sehr gut wird gezeigt, dass eine merkwürdigeStelle des Gedichts (Z. 8061 ff.) von dem Tode des Fürstenvon Meran, wobei der Dichter zugegen gewesen, auf HerzogBerthold IV. (f 1206) bezogen werden muss, also mit der Volks-sage von der Gräfin von Orlamünde (bei Grimm No. 579)oder einer anderen von dem Mörder Hager zu Plassenburgnicht zusammengestellt werden kann, wie denn auch das Ge-dicht nirgends auf einen Mord anspielt, sondern nur der klagen-den Frauen gedenkt. Hiernach berichtigt sich Docens Ver-muthung in den Marginalien zu Koch (Aretins Beiträge Bd VII,S. 316) und im altdeutschen Museum I, S. 165. Über Wirentsweitere Lebensumstände ist nichts bekannt, ausser dass ihn derfreilich weit spätere Conrad von Würzburg in eine sagenmässige(Beilage S. LV bis LXIV mit Recht hier abgedruckte) Er-zählung verflicht. Die Geringfügigkeit der Nachrichten von desDichters äusserem Leben (wir besitzen keine alten Biographieender Minnesänger, wie die der provenzalischen Troubadours sind)vergütet Herr Prof. Benecke durch einen wichtigen Aufschluss