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2 (1882)
Seite
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238 BARLAAM VON KÖPKE UND WIGALOIS VON BENECKE.

got hat nach gotlichem sitedaz groste mir geteilet mite,den notdürftigen rehten teil;daz ist daz menscheliche heil,

seine Dichtungen lassen in dem Leser einen befriedigendenEindruck zurück. In den Reimen sucht Rudolf keine Künste,aber sie strömen ihm zu ohne allen Zwang. Er ahmt nie-manden nach, sondern steht auch in manchen Wendungen seinerSprache eigenthümlich für sich allein.

Ein verschiedener Geist spricht aus Wirnt von Grafen-berg, von dem nichts als dieser Wigalois übrig ist, doch ver-muthlich hat er auch weiter nichts gedichtet. Der Ritter er-scheint weltlicher, zierlicher und höfisch gebildeter, als der guteDienstmann, er übertrifft diesen an Lebenserfahrung und weissdaraus manche feine Bemerkung anzubringen, die jenem beieinem ruhigeren und in sich gekehrteren Wandel schwerlicheingefallen sein würde, obschon Rudolf kein Geistlicher warund die Freuden der Welt nicht verschmähte (vgl. 305, 33 ff.).Für die Sitten des 13. Jahrhunderts liefert daher Barlaam garkeine, Wigalois aber manche wichtige Erläuterung. Der Stoffist in beiden fremd und im Wigalois sogar ein altbritannisches,aber durch mehrfache Bearbeitungen 1 ) von der ursprünglichenbis zu der welschen und deutschen ziemlich verwässertes Mär-chen. Die Fabel vom goldnen Glücksrad (1047 ff. 1865),das sich unaufhörlich umdreht und seinem Besitzer Glück undFriede bringt (eine merkwürdige Erinnerung an das eddischeMühlenlied und an die nur etwas anders gewendete Idee desMittelalters von den hier auf dem Glücksrade sitzenden Men-schen; vgl. auch Grimm deutsche Sagen No. 209 und 337),vermuthlich der Mittelpunkt der eigentlichen Sage, tritt hier2084 völlig zurück und wird bloss nebenbei erwähnt. Diese Aus-lassung oder Verdünnung einfacher Bestandtheile des alten

') Wirents Grundlage zum Wigalois war vermuthlich eine, nordfranzösischeDichtung, wie schon aus dem kleinen Umstand hervorgeht, dass die NamenIwein, G-avein auf ein (altfranzösisch Ivain, Gauvain) endigen. Dasselbegilt von Hartmanns Quelle. Eschenbach aber, der einem Provenzalen folgte,setzt die Formen Iwan, Gawan (provenzalisch Ivans, Gavans).