Druckschrift 
2 (1882)
Seite
236
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236 BARLAAM VON KÖPKE UND WIGALOIS VON BENECKE.

theils weil die abgedruckten Dichtungen aus der besten Zeitdes 13. Jahrhunderts herrühren, theils aber auch weil auf ihreHerausgabe ein ähnliches sorgfältiges, von der seitherigen nach-lässigen Behandlung anderer nicht minder wichtiger Denkmälerdesselben Zeitalters vortheilhaft abstechendes Verfahren ange-wendet worden ist.

Barlaam und Wigalois waren noch nicht bekannt gemacht,keiner ihrer Verfasser findet sich unter der Zahl der auf dieNachwelt gekommenen Minnesänger. Rudolf (von Montfortbenannt, weil er ein Dienstmann des Grafen von Montfort ge-wesen) gehört gleichwohl unter die fruchtbarsten und begabtestenDicht.pr jener Zeit; den vorliegenden Barlaam abgerechnet sindnoch vier andere beträchtliche Werke von ihm erhalten, einsechstes (die Legende des heiligen Eustachius) scheint hin-gegen verloren. Unter jenen vieren ist eins von grossem Um-fang, die sogenannte Welt ehr onik, in vielen, wiewohl äusserstungleichen und überarbeiteten Handschriften vorhanden, eineArt Weltgeschichte nach dem Plan des Gottfried von Viterbo.Über Rudolfs Alexandreis vermag Rec. nicht zu urtheilen,weil er noch keine der davon vorfindlichen Handschriften ein-zusehen Gelegenheit gehabt hat; dagegen steht er nicht an, denihm bekannten Wilhelm von Orlenz für eine anmuthige,des vollständigen Abdrucks vollkommen würdige Dichtung zuerklären. Das sechste Gedicht, den guten Gerhard nämlich,2082 welchen noch Hr. Köpke für gänzlich unbekannt hält unddessen auch die seitherigen litterarischen Hilfsmittel geschweigen,wollen wir hier wenigstens in einer Handschrift nachweisen.Sie liegt zu Wien No. 44 und wird als: poema heroieumanonymi de Ottone rufo aufgeführt, Hauptheld ist aber dergute Gerhard zu Cöln, wiewohl auch Kaiser Otto darin auftritt.Dieser Dichtung erwähnt Rudolf selbst im Wilhelm von Orlenz:

der iu daz buoch getihtet hat,wie dur unsers schepheres ratder guote Gerhart lostevon grozeme untrosteein edele kumberhafte diet.

und hier im Barlaam 402, 6 ff.