232 HANS SACHS VON BÜSCHING. I.
leiden nach dem damaligen Stand der Bühne (grossentheils zuwirklicher Aufführung bestimmt und auch aufgeführt) bei derraschesten Handlung mitunter an Weitschweifigkeit und Dürre.Vielleicht wäre mit kluger Auswahl eine, jedoch nicht starke55 Zahl verschiedenartiger Stücke aus den übrigen Abtheilungenbeizufügen. Das Ganze würde sämmtliche Schwanke und Fabelnunverkümmert enthalten und, im Einzelnen nach der Zeit ihrerAbfassung geordnet (was noch nie ein anderer Dichter so leichtgemacht hat), einen guten Quartanten oder zwei starke Octav-bände fassen. Ein, aber fleissig und grammatisch zu bearbei-tendes gedrängtes Wörterbuch am Ende muss dem Leser, dermit ernster Lust an den nicht viel als Luthers Bibel alterthüm-licheren Dichter geht, alles Nöthige gewähren und jedes Dunkelheben, dagegen Randglossen und böse Verdrehungen des durch-weg ungezwungen frischen Ausdrucks ersparen, zugleich auchden Herausgeber über Bedenklichkeiten setzen, denen kein Er-neuerer, weil er mit seinem eigenen Stil auftritt, ausweicht,oder er muss z. B. wie der gegenwärtige S. 123 den Teufelbeissen lassen. Es wäre doch schön, wenn die Stadt Nürn-berg, in welcher es noch viel gute, der alten Zeiten eingedenkeLeute geben wird, nachdem ihr das letzte Mal, vor so langeschon, Kempten und Augsburg zuvorgekommen, für ihreneigenthümlichsten, wir zaudern gar nicht zu sagen: grösstenDichter etwas thun und ihn wieder in wahrer Gestalt unterdie Leute bringen wollte. Der Aufwand wäre so unbedeutend,dass eine der kleinen Pegnitzbrükkern, wenn sie eingebrochen,mehr kosten würde. Im Hans Sachs ist aber auch eine vater-ländische, dem gesammten Deutschland auferbauliche Gesinnung,und viele würden sich sein Buch gern kaufen. Will Hr. DrBüsching, dessen Arbeitsamkeit und guter Meinung man allegebührende Gerechtigkeit widerfahren lässt, zu solcher wahrerHerstellung des von ihm verehrten Dichters mitwirken, so wollenwir so gern aus seinen Händen als aus denen jedes anderen einBuch empfangen, an dem man sich doch einmal freuen kann.Auch das hübsche Bildchen, welches des Meisters Haus vor-stellt, darf dann nicht wegbleiben.
[anonym.]