HANS SACHS VON BÜSCHING. I. 231
giengen und man gezwungen wäre, das gegenwärtige Bruchstückeiner Erneuerung zu citiren.
Als Bruchstück nämlich würde es auch dann unbefriedigendbleiben, wenn es besseren Text, d. h. unschuldigen Abdruckdes Urtextes lieferte. Hält man die 355 einspaltigen Octav-seiten zu dem starken Folianten der Nürnberger und dem dickenQuartanten der Kemptener Ausgabe des ersten Buchs, so ent-fällt einem völlig der Muth, an dergleichen modernen Arbeitenetwas Nützliches aufzufinden. Was frommt eine so willkürliche,gleichgültige Auslese? Schon das erste Stück von der Erschaf-fung gehört zu des Dichters geringeren Hervorbringungen;zwar ist das Spiel von Evas ungleichen Kindern viel besser,aber derselbe Stoff in einem Schwank des zweiten Buchs beiweitem dichterischer und lebendiger aufgefasst und ausgeführt.Statt der Kinderlehre und der daran gereihten Ermordung Abelsdurch Cain wird der Ursprung und Gegensatz der edeln undbäurischen Geschlechter höchst anschaulich aus der Fabel ent-wickelt.
Was soll und kann nun in unserer Zeit, die den Wieder-abdruck sämmtlicher, allmählich so selten gewordenen Werkeunseres Dichters (d. h. also der früher schon gedruckten, nichtder ungedruckten, weit schlechteren Meisterlieder) kaum zu be-streiten vermag, am löblichsten geschehen? Guter Rath scheinthier gar nicht theuer. Man nehme aus jedem Buch die letzte,Fabeln und Schwanke enthaltende Abtheilung und drucke sievollständig genau und getreu nach der ältesten Ausgabe undmit der in das Wesen der damaligen Sprache eingreifenden,alterthümlichen Schreibung ab. In diesen Poesieen liegt un-leugbar die grösste Kraft des vielgewandten, unerschöpflichen,bürgerlichen, derben Meisters; hier bewegt er sich am freistenund vollkommensten und hier stecken zugleich mehr Aufschlüsseüber Volkssage, Fabel und Volkssprache, als in allen übrigenTheilen zusammen. Verständig zeigt er sich zwar überall, je-doch in den geistlichen und weltlichen Geschichten zu sehr vondem gegebenen, nicht aus eigener Lebenserfahrung entsprun-genen Stoff gebunden. Die dramatischen Spiele ernster Art