Druckschrift 
2 (1882)
Seite
222
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222 MÄRCHENSAAL VON VALENTIN SCHMIDT.

ihrer Entstehung und Fortpflanzung. Wenn einmal, was dortnur fragmentarisch konnte mitgetheilt [werden], vervollständigt ist,so wird man so. ziemlich den Reichthum und Werth der ein-heimischen Volksmärchen beurtheilen können; schon jetzt lassensich mancherlei Bilder und Gestalten erkennen, die man nichtganz mit Unrecht einer deutschen Mythologie zueignen würde. Andie genannte Sammlung schliesst sich sowohl seiner Idee nach, alsauch in der äusserlichen Einrichtung gegenwärtiges Buch, indemes die Märchen des Auslands zusammenzustellen denkt. Miteinem Auszug derselben aus Straparolas Nächten wird hiernun der Anfang gemacht; ohne Zweifel hätte der Pentameronedes Basile den Vorzug verdient wegen grösseren Reichthumsund frischerer Lebendigkeit der Darstellung, indessen wollteHr. Schmidt anderen, die eine Übersetzung davon längst ver-sprochen, nicht vorgreifen. Dagegen ist nichts einzuwenden,nur hat es das Ansehen, als ob Hr. Schmidt den Pentamerone683 aus eigener Ansicht (was bei der Seltenheit des Buchs in Deutsch-land leicht möglich ist) noch nicht gekannt habe; er würde ihnsonst in den Anmerkungen fleissiger benutzt haben. AchtzehnStück sind ausgehoben, nur eins, meint Hr. S., würde man ver-missen (Notte V. fab. 2), dessen Inhalt sich aber gegen jedenÜbersetzungsversuch gesträubt. Davon überzeugt man sichleicht und, insofern das Buch unserer Lesewelt bestimmt ist,wird man nichts zu tadeln haben, obgleich dieses Märchen nurzu den sehr kecken und freien gehört, an sich ist es dochmerkwürdig, besonders da die wunderliche Puppe, welche darindie Hauptrolle spielt, offenbar mit den deutschen Alraunen ver-wandt ist. Das Original bleibt also unentbehrlich, und hierzeigt sich überhaupt eine bedeutende Schwierigkeit des ganzenUnternehmens, welche vielleicht auch eine Übersetzung desBasile zurückhalten wird. Bei den freieren Sitten jener Zeit,überhaupt der noch jetzt oft bemerkten Natürlichkeit der Ita-liener in gewissen Dingen konnte manches erzählt werden, wasbei uns mit Recht Anstoss macht, nicht einmal der wirklichunsittlichen, bei Straparola manchmal schamlosen Erzählungenund Räthsel zu gedenken. Sollten wir einen Rath geben, sowäre wohl das Beste, dergleichen Märchen im Anhang und nur